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Hartmut Winkler

Zum Problem
wissenschaftlicher Kompetenz

Eine medientheoretische Überlegung auf dem Hintergrund
von Luhmanns Theorie der gesellschaftlichen Differenzierung.

Eine Vorbemerkung für Luhmannianer: der folgende Text will nicht ein Luhmann-Referat sein und kein Beitrag im Feld der Soziologie; ausgehend von der Frage nach der wissenschaftlichen Kompetenz (die Luhmann nicht erörtert), werden genau drei Grundbegriffe Luhmanns in Anspruch genommen, um zu einer medientheoretischen Deutung zu kommen. Vielleicht aber kann gerade der fachfremde Blick deutlich machen, daß die 'Realität der Massenmedien' bestimmte Fragen offenläßt...


Wissenschaftliche Arbeit ist zweifellos ein Privileg, daneben aber, dies wird mir immer deutlicher, eine äußerst schmerzvolle Angelegenheit. Man hat der Wahrheit eine sehr verzweigte Tempelanlage errichtet. Und je weiter ich vordringe im kafkaesken System ihrer ungezählten Vorhöfe, desto klarer wird mir, was sie von ihren Dienern verlangt und wie hoch der Preis ist, den sie, auf sachlicher wie auf psychischer Ebene, fordert.
Wissenschaftliche Arbeit, die Überschrift kündigt es an, bedeutet, grundsätzlich unterhalb dessen zu arbeiten, was man selbst für Kompetenz halten würde. Selbst zur bescheidensten Aufgabe, die man sich stellt, gibt es neben den Büchern, die man gelesen hat, immer weitere Bücher, die man gelesen haben müßte, solche, von denen man weiß, und andere, von denen man nicht weiß und die den gerade gefaßten Gedanken aus dem Hinterhalt anfallen werden. Ich kenne keinen Wissenschaftler (zumindest keinen Geisteswissenschaftler), der mit diesem Mißverhältnis nicht unzufrieden wäre. Immer schwieriger erscheint es, das eigene Projekt im Feld des bereits Gedachten zu lokalisieren und gegen mögliche Einwände zumindest einigermaßen zu sichern. Und der eigene Kopf wird, noch bevor die Debatte überhaupt begonnen hat, tükisch zum Bauchredner der Kombattanten.
Zudem nimmt die Gültigkeitsdauer der einzelnen wissenschaftlichen Paradigmen ab, und was gestern noch intensiv diskutiert wurde, kann heute schon in den Schatten geraten. Selbstverständlich kann man sich solchen Paradigmenwechseln verweigern. In jedem anderen Fall aber sind ganze Wissensbestände von einer Entwertung bedroht; da die einzelnen Diskurse gleichzeitig immer verzweigter und immer voraussetzungsvoller werden, hat der Einzelne gar nicht die Wahl, jeden Wechsel mitzuvollziehen; wenn sich aber der Rahmen verschiebt, wird das eigene Sprechen zwangsläufig eine andere Bedeutung annehmen.
Zum Schreiben gehört die Überzeugung, daß das eigene Projekt an einem beschreibbaren Punkt in eine bestimmte Debatte investiert. Dies bedeutet, daß jeder Beitrag auch seinen Umraum mitkonstruiert, und gerade dessen wird man sich immer mehr oder minder unsicher sein. Auch wenn man das eigene Feld sehr gut kennt, wird es immer Nachbardisziplinen geben, in deren Bereich man sich mit relativ groben Vorstellungen behelfen muß; und so notwendig es ist, sich auf ein bestimmtes Fachgebiet einzugrenzen, so klar ist eben auch, daß die Gegenstände selbst sich selten an solche Grenzziehungen halten.
Ich bin mir sehr bewußt, daß ich hier vor allem eine Nachtseite beschreibe und daß es daneben auch durchaus glückhafte Erfahrungen gibt, Erfahrungen des Gelingens, die vieles aufwiegen, und manchmal sogar den temporären Rausch der Souveränität. Dennoch denke ich, daß die skizzierte Überforderung zumindest in den Geisteswissenschaften nicht ein individuelles Problem ist, und keines der psychischen Prädisposition. Ich werde im folgenden deshalb den Versuch machen, sie zu re-modellieren. Auf dem Terrain meines Fachs, der Medientheorie, und auf dem Terrain eines benachbarten Fachs, der Soziologie, und ich werde versuchen, die Überschreitung der Fachgrenze in die Überlegung miteinzubeziehen.


1

Aus der Perspektive der Medientheorie nämlich erscheint das Beschriebene - wie könnte es anders sein - als ein Kommunikationsproblem. Als ein Kommunikationsproblem innerhalb der Wissenschaft und zwischen der Wissenschaft und der Gesellschaft, als ein Problem in der Struktur der Diskurse bzw. in der Architektur unserer Wissensbestände.(1)
Zur Beschreibung des Kommunikationsproblems auf die Theorie Niklas Luhmanns zurückzugreifen, bietet sich aus verschiedenen Gründen an; dennoch erscheint es mir sinnvoll, zunächst eine Vorbemerkung zu machen. Die Entscheidung für Luhmann nämlich war keineswegs eine Frage spontaner Sympathie. Die Soziologie hat in den letzten zwei Jahrzehnten eine dramatische Wandlung durchlaufen. In den siebziger Jahren eine der Leitwissenschaften einer politisch interessierten Öffentlichkeit und in der Lage, für sehr viele der currenten Fragen verbindliche Terminologien zur Verfügung zu stellen, hat sich die Soziologie inzwischen in eine Vielzahl von Spezialdiskursen und konkurrierenden Ansätzen aufgespalten und - dies scheint mir eine Haupttendenz zu sein - zunehmend auf die eigene Methodik zurückgebeugt.
Diese Veränderung war verbunden mit einem deutlichen Entpolitisierungsprozeß, den man als eine vielleicht notwendige Selbstkorrektur nach einer Phase gesellschaftlicher Überforderung ansehen kann. Der gegenwärtige Zustand aber ist, zumindest in meinen Augen, nicht eben einladend. Aus der Außenperspektive erscheinen viele der gegenwärtig vertretenen Kategorien als kontraintuitiv oder aber, wie der Begriff der 'Modernisierung', ihrem hohen Elaborationsgrad zum Trotz gemessen an früheren Modellen als eigentümlich steril.
Und viele Texte Luhmanns fallen aus der so umrissenen Szenerie sicher nicht völlig heraus. Dennoch denke ich, daß Luhmann, obwohl nur unter anderem mit den Medien befaßt, den Medienwissenschaften Entscheidendes zu sagen hat.

Der erste Gedanke, den ich in Anspruch nehmen will, ist der Zusammenhang zwischen gesellschaftlicher Differenzierung und Kommunikation. Luhmann behauptet, stark verkürzt, daß die moderne Gesellschaft sich in einer rapiden Entwicklung innerer Ausdifferenzierung befindet,(2) und beschreibt, und dies eben macht den Gedanken für die Medientheorie interessant, eine systematische Wechselbeziehung zwischen gesellschaftlicher Differenzierung und Kommunikation.
Gesellschaftliche Differenzierung ist zunächst funktional bestimmt. Ihre wohl handgreiflichste Form findet sie in der Teilung der gesellschaftlichen Arbeit; diese nimmt augenfällig an Komplexität zu und hat im Verlauf der Geschichte immer neue gesellschaftliche Funktionen und immer neue Spezialisierungen hervorgebracht. Und ein anderer Systemtheoretiker, Peter M. Hejl, sieht den Begriff der gesellschaftlichen Differenzierung tatsächlich auf die Arbeitsteilung zentriert.(3)
Dies erlaubt ihm, zu einer sehr einleuchtenden Vorstellung zu kommen. Kommunikation, so Hejl, hat zu vermitteln, was die gesellschaftliche Arbeitsteilung trennt.(4) Kommunikation ist vor allem deshalb nötig, weil mit der Arbeitsteilung die Wissensbestände und Weltbilder auseinandertreten; beide sind komplementär aufeinander bezogen: der Arbeitsteilung als einer zentrifugalen Kraft steht die Kommunikation als eine zentripetale gegenüber. Und im historischen Prozeß kann die Arbeitsteilung nur jeweils soweit voranschreiten, wie die Kommunikation, und sei es noch gerade, gewährleistet werden kann.
Diese Grundüberlegung erscheint mir in hohem Maße plausibel. 'Massenkommunikation' und global village werden nicht vom Stand der Medien- und Kommunikationstechniken abhängig gemacht, sondern von einem Gegenüber, das zunächst selbst nicht Kommunikation ist. Ein sehr einfacher, aber sehr wichtiger Gedanke, der einer Überschätzung der Medien, etwa in der These von der 'Informationsgesellschaft', wirksam entgegentreten könnte.

Um so verblüffender ist, daß bei Luhmann selbst sich die gerade&127; erreichte Klarheit zunächst wieder auflöst. Liest man nach, nämlich stellt man fest, daß Luhmann das Modell sehr viel weiter faßt. Während Durkheim(5) und Parsons,(6) von denen er das Konzept übernimmt, tatsächlich die Arbeitsteilung in den Mittelpunkt stellen, rückt Luhmann davon ab,(7) vor allem, wie er sagt, um die Zentrierung auf die Ökonomie zu vermeiden.(8) Im Systembegriff und im Modell der System-Umwelt-Beziehung sieht er eine Möglichkeit, das Problem auf einer abstrakteren Ebene zu reformulieren;(9) kulturelle Entwicklungen, Recht, Liebe, Sprache, sieht er als gleichrangig an, und deshalb geht er zu dem allgemeineren Begriff der 'gesellschaftlichen Differenzierung' über.
Im hier verfolgten Kontext hat dies Vor- und Nachteile. Ein Vorteil ist die Möglichkeit, nun auch Diskursstrukturen zu beschreiben, was der Frage nach dem wissenschaftlichen Arbeiten sicher näherkommt. Ein Nachteil ist, daß das Konzept an Evidenz verliert. So hat Holmes(10) mit Recht eingewandt, daß einer derart allgemein gefaßten Differenzierungsthese zumindest ebenso mächtige Prozesse der Entdifferenzierung entgegenstehen.(11) Ökonomisch etwa im Verschwinden regionaler Unterschiede und in der Totalisierung des Warenverhältnisses, und im kulturellen Bereich vielleicht noch augenfälliger im Untergehen gewachsener Kulturen und in der Durchsetzung einer westlich geprägten Massenkultur.(12) Mit und gegen Luhmann wird man insofern Differenzierungs- und Entdifferenzierungsprozesse verschränkt denken müssen, was die Aufgabe sicher nicht leichter macht.

Bezogen auf die Ausgangsfrage nach dem wissenschaftlichen Arbeiten, dürfte klar geworden sein, daß auch hier Differenzierung und Kommunikation systematisch zusammenhängen. Der gesellschaftlichen Differenzierung entspricht eine galoppierende Differenzierung auch der wissenschaftlichen Diskurse, ja, noch direkter: die gesellschaftliche Arbeitsteilung verdoppelt sich hinein in die innere Struktur der Akademie, und erzwingt eine immer weitergehende Ausdifferenzierung der Fächer und Approaches. Und nun werden signifikante Unterschiede deutlich: Während sich das Prinzip der Arbeitsteilung in den Naturwissenschaften noch einigermaßen produktiv durchsetzen läßt, ist eine vergleichbare Spezialisierung in den Geisteswissenschaften nicht ebenso produktiv möglich; gleichzeitig nimmt sie auch hier zu, weil die einzelnen Köpfe mit der Differenzierung der Diskurse nicht mithalten können.
Für den einzelnen Arbeitenden bedeutet dies, daß sein Projekt, und zwar gerade dann, wenn es auf dem Stand des jeweiligen Subdiskurses sein will, in eine immer prekärere Position - relativ zum halluzinierten 'Ganzen' - gerät; als Schreibender stellt er fest, daß seine Sprache überlastet ist, daß immer mehr Aspekte entweder vorausgesetzt oder aufwendig noch einmal mitkommuniziert werden müssen, daß alle Termini perspektiviert und eigentlich nur noch innerhalb des Subdiskurses einigermaßen gültig erscheinen.
Prekär wird die Beziehung des Subdiskurses zu dem, was er selbst nicht ist, zu jener unübersehbaren Fläche paralleler Diskurse, die das eigene Schreiben ausklammern muß oder verfehlt. Und das Einzelprojekt muß ins Unrecht geraten, einfach weil es partikular ist; weil es seine Partikularität nicht ausreichend mitreflektieren und das Ganze als einen Hintergrund nicht mehr synthetisieren kann.

Es ist dies, keine Frage, ein Kommunikationsproblem. Der Kommunikation wird aufgelastet, was die gesellschaftliche Differenzierung den Diskursen als Struktur auferlegt, und der Einzelne trägt als Schreibender aus, was sein Schreiben nur sehr mittelbar beeinflussen kann.
Noch einmal: ich bestreite keineswegs, daß es Beispiele eines ausgesprochen glücklichen und souveränen Umgehens mit dieser Problematik gibt, Tänzer des wissenschaftlichen Parketts sozusagen, die ein hohes Maß an Spezifität Ihrer Aussagen mit ausgezeichneten kommunikativen Fähigkeiten verbinden. Solche Glücksfälle aber, denke ich, berühren das Grundproblem kaum; und deshalb schlage ich vor, es jenseits von persönlichem Ge- oder Mißlingen in den Blick zu nehmen.


2

Luhmann hat, und dies ist der zweite Gedanke, den ich referieren möchte, eine sehr allgemeine und weitreichende Theorie vorgelegt, welche Kräfte eine Binnendifferenzierung sozialer Systeme und Diskurse eigentlich erzwingen. Die Differenzierung begreift er ausdrücklich nicht - vom Inhalt her - als eine Bereicherung, sondern vielmehr als eine zwangsläufige, eigengesetzliche Entwicklung. Schlüssel ist wiederum der Systembegriff.
"Von sozialen Systemen" sagt Luhmann, "kann man immer dann sprechen, wenn Handlungen mehrerer Personen sinnhaft aufeinander bezogen werden und dadurch in ihrem Zusammenhang abgrenzbar sind von einer nichtdazugehörigen Umwelt."(13)
Soziale Systeme (und Diskurse) sind über den Grad ihrer Autonomie bestimmt. Sie erlangen Unabhängigkeit von ihrer Umwelt in dem Maße, wie sie Mechanismen der Selbstorganisation ausbilden.(14) Selbst im Fall biologischer Organismen, von denen der Systembegriff abgeleitet ist, ist die Außengrenze keineswegs einfach gegeben, sondern es ist die Selbstorganisation, die die Grenze definiert; ein System agiert in beschreibbaren Umwelt-Relationen und es ist in seinem Selbsterhalt von diesem Austausch abhängig, seine Grenze aber besteht darin, daß gerade nicht alles mit allem interagiert, sondern daß Vorgänge innerhalb des Systems anderen Gesetzen unterliegen als Vorgänge zwischen System und Umwelt.(15) Es wird ein Binnenraum abgegrenzt, in dem eigene Gesetze gelten. Und der Einfluß der Umwelt wird an der Grenze gefiltert und umstrukturiert. "In diesem Sinne", schreibt Luhmann, "ist Grenzerhaltung (boundary maintenance) Systemerhaltung".(16)

Und dies hat Folgerungen für die 'Kommunikation'. Zugespitzt könnte man formulieren, daß nur der Kommunikationsabbruch die Systemgrenzen generiert.(17) Was als 'Kommunikation' (zwischen System und Umwelt, System und System) beobachtbar ist, steht in einem konstitutiven Spannungsverhältnis zu seiner Selbstorganisation; und der Systembegriff fordert dazu auf, die relative Abgeschlossenheit und die 'Kommunikation' zusammenzudenken.
Luhmann, wie gesagt, nimmt diese Regeln auch für die Beschreibung von Diskursstrukturen in Anspruch. daß das Rechtssystem und das System der Wissenschaft im historischen Prozeß sich geschieden haben, hat zur Voraussetzung, daß die Geltungsansprüche des jeweils einen Systems aus dem anderen zunehmend ausgeschlossen wurden. Der Wissenschaftsdiskurs hat sich auf die Leitdifferenz wahr/unwahr ausgerichtet, das Rechtssystem auf die Trennung recht/unrecht;(18) und der historische Prozeß der Säkularisierung etwa besteht darin, daß religiöse Kriterien aus immer mehr gesellschaftlichen Diskursen ausgeschlossen wurden, um in einem eigenen Diskurs, der Praxis einer privaten Religionsausübung, ihren schließlichen Ort zu finden.
Auch wenn solche Zuweisungen einigermaßen grob erscheinen (und das Referat sie zwangsläufig noch weiter vergröbert), so ist doch plausibel, daß die Geltungsansprüche der genannten Sphären nicht ohne weiteres ineinander verrechenbar sind. Dies macht ihre relative Autonomie als nebeneinander bestehende gesellschaftliche Diskurse aus.

Und plausibel ist zweitens, daß das Auseinandertreten der Diskurse (die Systemdifferenzierung) den einzelnen Diskurs entlastet. Statt der unübersehbaren Vielfalt von Geltungsansprüchen, die in seiner Umwelt sich vorfinden, hat der einzelne Diskurs es nur noch mit relativ wenigen distinktiven Kriterien zu tun; und wenn die Reduktion von Komplexität ein natürliches Interesse kapazitativ begrenzter Systeme ist, so liegt hier der erste Gewinn, den die Systemdifferenzierung erzielt. "Grundsätzlich unterscheiden sich System und Umwelt durch ein Komplexitätsgefälle. Die Umwelt ist stets komplexer als das System, im System muß deshalb geringere Komplexität entsprechend geordnet werden, damit auf Unabsehbares absehbar reagiert werden kann".(19)
Der zweite Gewinn, paradox, ist die Möglichkeit, nun innerhalb des Systems selbst zu neuen Differenzierungsstufen zu kommen. "Systemdifferenzierung ist nichts anderes als die Wiederholung der Differenz von System und Umwelt innerhalb von Systemen."(20) Der Gewinn an innerer Komplexität stabilisiert das System und paßt es besser an seine Umwelt an.

Übertragen auf den akademischen Bereich bedeutet dies zunächst einen neuen Blick auf die Fächer-Gliederung. Die Rayons des Elfenbeinturms sind nicht nur Widerspiegelung der Arbeitsteilung in der tatsächlichen Welt, sondern, auf einer abstrakteren Ebene, vor allem ein Mittel, die Komplexität von Diskursen in Grenzen zu halten. Fachgrenzen fungieren als ein Schutzwall vor den Anforderungen einer überwältigend komplexen Umwelt, und als eine Berechtigung, auszuschließen, was außerhalb der Fachgrenzen liegt. Es enthält dies durchaus eine Aggression gegen den Gegenstand, und ein Moment von Paranoia. Gerade relativ junge Fächer wie das meine - die Theater-, Film- und Medienwissenschaft(21) - neigen dazu, die eigene 'Identität' überzubetonen,(22) obwohl noch keine eigene Methodentradition und kein Theoriekanon sich verfestigt haben, und dies doch gerade die Chance zu freundlichen Anleihen bei anderen Fächern und einer kommunikativeren Grundeinstellung böte. Und die Fächer, aus deren Rahmen sich das neue Fach herausentwickelt hat, umgekehrt, verhalten sich ähnlich, indem sie ihrerseits die Grenze eher befestigen.(23) Aber handelt es sich, um beim Beispiel zu bleiben, beim Fach TFM um ein einziges Fach oder bereits um drei?
Auffällig ist, daß viele Fächer ihre Identität und ihre Grenze von Gegenständen ableiten, die außerhalb der akademischen Sphäre bereits als solche konstituiert sind. Die Philologien - Germanistik, Romanistik, Anglistik, Amerikanistik - etwa von Sprach- und Kulturräumen, also letztlich von der Geographie, bzw. jenen Grenzlinien, die der Geographie historisch, und oft genug mit Waffengewalt, eingeschrieben worden sind.(24) Wenn zwischen den akademischen Fächern Friede herrscht, so also deshalb, weil sie an der Stabilität der Gegenstände partizipieren.(25)

Und gleichzeitig setzt sich die Differenzierung innerhalb der Fächer fort. Die konstituierten Fachgrenzen sind nur die Voraussetzung für eine Binnendifferenzierung nun innerhalb des Fach-Diskurses selbst, und obwohl die Rhetorik der Stellenausschreibungen von den Bewerbern verlangt, das 'Fach jeweils in seiner vollen Breite' zu vertreten, so wird niemand seriös behaupten können, dies tatsächlich zu leisten. Ein Philologe, der sich in der Tradition der Frankfurter Schule verortet, wird kaum mit gleicher Kompetenz Poststrukturalist sein können, Systemtheoretiker und Vertreter der amerikanischen, sprachanalytischen Philosophie. Und da die Subdiskurse sehr voraussetzungsvoll und intern wiederum hoch differenziert sind, besteht eine deutliche Tendenz zur Bildung von durchaus sektenähnlichen Strukturen; das Vokabular und die Gewißheiten, die man sich über Jahre erarbeitet hat, werden entschieden verteidigt, gerade weil die Sorge besteht, der nächste Paradigmenwechsel könne sie entwerten. Der einzelne Wissenschaftler, wie gesagt, hat nicht die Wahl. Er kann sich individuell dogmatisch oder - was sicher sympathischer ist - flexibel verhalten, und er kann sich des Problems sehr bewußt sein. An der Diskursstruktur selbst wird dies kaum etwas ändern, und nicht an der strukturellen Überlastung, auf die die Gruppenbildung als eine Entlastung reagiert.

Kommunikationsabbrüche an der Grenze von Fächern und theoretischen Paradigmen also haben ihren guten Sinn. Und gleichzeitig tragen sie ein Moment von Irrationalität und Irrtum in die Theoriebildung hinein, das als ein schmerzlicher Zweifel alle theoretische Arbeit begleitet.
Die Hoffnung geht damit ein weiteres Mal auf die Kommunikation über, bzw. auf jenen interdiskursiven Raum, der - den Kommunikationsabbrüchen zum Trotz - die Einzeldiskurse verbindet. Die letzte Frage an Luhmann soll deshalb sein, auf welche Weise er diesen Raum als einen Raum des Austauschs - und einer übergreifenden Rationalität (?) - konzipiert.


3

Der Raum, der die partikularen Diskurse verbindet, ist der klassische Ort der Medien. Luhmann betont, daß die Medien selbst ein Produkt der gesellschaftlichen Differenzierung sind.(26) Die moderne Gesellschaft schafft sich Organe, die speziell der Überwindung von Kommunikationsbarrieren dienen, wobei Luhmann den technischen Medien vor allem die Funktion zuweist, die Erreichbarkeit der Kommunikanten zu steigern.(27) Die zweite wichtige Bestimmung ist, daß die Gesellschaft sich in den Medien eine Instanz der Selbstbeobachtung geschaffen hat.(28)

Auch hier aber ist zunächst ein wichtiger Abstraktionsschritt Luhmanns mitzuvollziehen. Wenn Luhmann von Medien spricht, nämlich meint er zumeist gerade nicht die technischen Medien, sondern die sogenannten 'symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien'.(29) Er übernimmt diesen Begriff von Parsons, der von 'generalized symbolic media of social interaction' gesprochen hatte,(30) um, ausgehend von einer Analyse des Geldes und der Sprache, politisch-ökonomische Kategorien wie Macht, Einfluß und moralische Verpflichtungen als Elemente der gesellschaftlichen Austauschprozesse zu beschreiben.(31) Luhmann nennt zunächst vier 'symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien': Wissenschaft/Wahrheit, zweitens Liebe, drittens Wirtschaft und viertens Macht bzw. Recht.(32) Was andere Autoren 'Diskurse' bzw. 'Praxen' nennen würden, also bezeichnet Luhmann als 'Medien'. Damit hebt er hervor, daß es sich einerseits um gesellschaftliche Teilsysteme handelt, die, streng codiert, Kommunikationsakte nach jeweils eigenen Regeln strukturieren, und darüber hinaus, daß nahezu alle Mitglieder der Gesellschaft an ihnen teilhaben.
Jedem dieser symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien ist ein 'symbiotischer Mechanismus' zugeordnet, mit dem es in die Sphäre der Praxen(33) hereinreicht: im Fall der Wahrheit ist dies die Wahrnehmung, für die Liebe die Sexualität, für die Wirtschaft die Bedürfnisbefriedigung und für das Recht die physische Gewalt.(34)
Erster Effekt der so skizzierten Konstruktion ist, daß, für die Medienwissenschaft einigermaßen irritierend, die Medien im klassischen Sinne ihr Privileg verlieren. Die Theorie hat zu lernen, daß die Medien mit anderen Mechanismen der Vergesellschaftung konkurrieren, was gerade innerhalb der philologisch ausgerichteten Medienwissenschaften leicht aus dem Blick gerät.

Wissenschaft und Universität, zweitens, wären Teil, ja, Leit- Institution des symbolisch generalisierten Kommunikationsmediums 'Wahrheit'. Und das eigentümliche Widerspiegelungsverhältnis zwischen Universität und Gesellschaft (universitärer Fächergliederung und gesellschaftlicher Arbeitsteilung), das oben zu konstatieren war, hätte seinen Grund darin, daß auch sie, die Hochschule, als eine Instanz der gesellschaftlichen Selbstbeobachtung fungiert. Die Universität also ist ein 'Medium' im Luhmannschen Sinn, eine gesellschaftliche Maschine, die Kommunikation ermöglicht, indem sie einen Binnenraum ausbildet und die Anzahl gültiger Codes reduziert.

In der Verallgemeinerung aber, und dies ist der Nachteil der Konstruktion, droht Luhmann jedes Kriterium einzubüßen, die technischen Medien in ihrer spezifischen Funktion zu beschreiben. Dies wird offenbar, sobald sich Luhmann den Massenmedien zuwendet,(35) deren Verhältnis zu den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien zumindest explizit aber nicht klärt. Gleichzeitig wird deutlich, daß die Massenmedien, was die Kategorien der Beschreibung angeht, in eine große Nähe zu den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien geraten.(36)
Folgt man Luhmann, richten sich die Massenmedien auf die Leitdifferenz Information/Nichtinformation aus.(37) Ihr technischer Charakter - im Gemeinverständnis ihr augenfälligstes Merkmal und sicher ein mögliches Unterscheidungskriterium - wird dem Problem der Erreichbarkeit zugeordnet, und zweitens, dies ist Luhmanns Sicht auf die Technologie allgemein, ermöglicht Technik eine Reduktion von Komplexität, indem sie, wie die Codes, die Wahlmöglichkeiten begrenzt und es damit wahrscheinlicher macht, daß aktuelle Kommunikationsakte an die Kette vorausgegangener Kommunikationsakte anschließen können.(38)

Der wohl spannendste Punkt ist, daß Luhmann damit ein Modell der Traditionsbildung entwirft, das Medientechnik und Medieninhalte auf systematische Weise mit den diskursiven Ereignissen verbindet.
"Insgesamt dürfte [...] der Beitrag aller Formen massenmedialer Kommunikation [...] darin liegen, [...] Voraussetzungen für weitere Kommunikation zu schaffen, die nicht eigens mitkommuniziert werden müssen. [...] Die gesellschaftliche Funktion der Massenmedien findet man deshalb nicht in der Gesamtheit der jeweils aktualisierten Informationen (also nicht auf der positiv bewerteten Seite ihres Codes), sondern [?] in dem dadurch erzeugten Gedächtnis. Für das Gesellschaftssystem besteht das Gedächtnis darin, daß man bei jeder Kommunikation bestimmte Realitätsannahmen als bekannt voraussetzen kann, ohne sie eigens in die Kommunikation einführen und begründen zu müssen. [...] Massenmedien sind also nicht in dem Sinne Medien, daß sie Informationen von Wissenden auf Nichtwissende übertragen. Sie sind Medien insofern, als sie ein Hintergrundwissen bereitstellen und jeweils fortschreiben, von dem man in der Kommunikation ausgehen kann".(39)
Medientechnik und Medieninhalte werden - völlig parallel - als eine temporäre Niederlegung begriffen. In einer unübersehbaren Kette von Kommunikationsakten bewegt der Diskurs sich fort, wobei in einem Zyklus von Verfestigung, Verflüssigung und Wiederverfestigung ständig definiert wird, was für die Folge- Kommunikationen der Rahmen und die Anschlußbedingungen sein werden. Symbole und technische Strukturen kapseln vergangene Inhalte ein. Sie stehen für Auswahlentscheidungen, die in der Vergangenheit getroffen worden sind, und stellen das Ergebnis dem aktuellen Kommunikationsprozeß als ein konventionalisiertes Set vordefinierter Auswahlmöglichkeiten zur Verfügung.
"Tatsächlich", sagt Luhmann, "beruht [..] die Stabilität (=Reproduktionsfähigkeit) der Gesellschaft in erster Linie auf der Erzeugung von Objekten, die in der weiteren Kommunikation vorausgesetzt werden können."(40)

So plausibel (und weitreichend) diese Beschreibung ist, und so lohnend es erscheint, Technik, Sprache und Codes zusammenzudenken, so klar ist eben auch, daß die Definition nahezu alle Diskurse umfaßt und kaum geeignet erscheint, eine Sonderrolle der Medien zu begründen. Anders als bei Hejl bleibt einigermaßen rätselhaft, warum die Gesellschaft die Medien als ein spezifisches Kommunikationsorgan benötigt.
Diese eigentümliche Ratlosigkeit korrespondiert mit der Tatsache, daß Luhmann die Medien als einen Sonderbereich reflektiert, nicht aber umgekehrt prüft, welcher technischen Kommunikationsmittel sich die Diskurse bedienen, die er symbolisch generalisierte Kommunikationsmedien nennt. Mit und gegen Luhmann also wäre nach den Medien der symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien zu fragen.

Und nun fällt auf, daß sie alle, oder zumindest zwei von ihnen, sich keineswegs 'auf dem Stand der Technik' befinden (sofern es so etwas gibt). Die Liebe scheint auf die Face-to-Face- Begegnung angewiesen, wie sie, folgt man der mediengeschichtlichen Typisierung, für Gesellschaften mit oraler Traditionsbildung typisch ist, und ergänzend auf den Roman und den Spielfilm, die den Liebesdiskurs mit den notwendigen Patterns versorgen;(41) Recht und Wissenschaft bedienen sich vorrangig der Schrift; und allein die Wirtschaft scheint, zumindest was die Vernetzung ihrer Geldverbindungen angeht,(42) mit den Computern einen medientechnischen Entwicklungsschub vollzogen zu haben, der demjenigen innerhalb der Massenmedien vergleichbar ist. Spezifisch für die Massenmedien wäre eben, daß sie der Ökonomie der Diskurse mit Hilfe avancierterer Techniken aufhelfen; um den Preis, mit diesem Schritt aus den traditionellen Diskursen - den symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien - herauszufallen und einen eigenen isolierten Diskurs, mit eigenen Regeln und Inhalten, etablieren zu müssen.(43)

Die Wissenschaft, wie gesagt, bleibt angewiesen auf Schrift und Druck und die Face-to-Face-Kommunikation der Lehre und der Tagungen. Zwei historische Medien also, und historisch ohne Zweifel limitiert, insofern gerade die Limitierung der Schrift, nach den gängigen Theorien, die Mediengeschichte ausgelöst hat.(44)
Und hier nun kehre ich zum Kern meines Themas zurück; mit der vorgeschlagenen Ergänzung nämlich eröffnet Luhmanns Überlegung die Möglichkeit, die Überlastung der Wissenschaft nicht mehr nur auf ihre kommunikativen, sondern darüberhinaus auf ihre medientechnischen Gegebenheiten zu beziehen.
Der Eindruck, daß die Probleme und die verschränkt objektiv/subjektive Lösungskompetenz zunehmend auseinderlaufen, könnte u. a. auf eine Ungleichzeitigkeit der Mittel hindeuten, mit deren Hilfe sich beide artikulieren: Während die Banken (auf der Problemseite) sich mühelos global vernetzen und, unbelastet durch den Anspruch der gesellschaftlichen Selbstbeobachtung, immer komplexere Fakten schaffen, und die Massenmedien, arbeitsteilig/technisch hochgerüstetes Organ der Selbstbeobachtung, zunehmend selbst der Beobachtung und der Interpretation bedürfen, verlangen wir vom 'Wahrheitsdiskurs' der Wissenschaft, er möge mit der galoppierenden Entwicklung nicht nur schritthalten können, sondern diese reflektieren, und zwar extensiv wie intensiv, sowohl in der Breite der Gegenstände, als auch in der 'Tiefe' einer kritischen Differenz. Und dies mit dem leichten Gerät einer individuellen Schriftproduktion, limitierter Lesezeit und einer relativ niedrig organisierten Arbeitsteilung, die im wesentlichen Einzelproduzenten aufeinander bezieht. Vielleicht ist die Wissenschaft, polemisch gesagt, under-equiped; und die Gesellschaft hat für ihre Kommunikationsprobleme eine technische Lösung gefunden, der die Wissenschaft nicht folgen kann. Und vielleicht tragen wir, ihre Diener, die Differenz aus, am eigenen Leib und am Leib unserer Produktion, den die Gegenstände so klar und so rücksichtslos überschreiten.
Was dem einzelnen als 'Informationsüberflutung' gegenübertritt, ist ein Turmbau, ein Kollektivprodukt. Behausung, Arbeitsort und Arbeitsobjekt zugleich; die Werkzeuge sind - kurios - gleichzeitig Gegenstand der Bearbeitung, und die Beiträge der Mitstreiter, die doch Teil der Lösung sein sollten, ebenso sehr Teil des Problems.
In den Naturwissenschaften herrschte lange die Vorstellung, die gewonnenen Erkenntnisse seien anreihbar, akkumulierbar, oder überböten einander; die Produzenten arbeiteten als community of scientists Schulter an Schulter am letztlich selben Projekt.(45) In den Geisteswissenschaften war diese Vorstellung nie gegeben; wenn es zu ihrem Funktionieren gehört, daß sie in Tausende von Perspektiven zerfallen, so gibt es keinen anderen Fluchtpunkt als letztlich den eigenen Kopf. Notorisch überlastet steht er der unendlichen Vielfalt der Diskurse gegenüber. Jedes 'Nein' (jeder kritische Einwand, den er macht), stößt ihn weiter hinein in den fraktalen Raum des Denkbaren, dessen Teilung keine Grenze zu kennen scheint und dessen Kälte das Denken bedroht.(46)
Die Formationen, die ich oben wissenschaftliche 'Sekten' genannt habe, sind eine Reaktionsbildung auf dieses Problem. Man flieht in den warmen Nahraum konstruierter Bündnisse und eines gemeinsamen Sprachgebrauchs, die es erlauben, zwischen Drinnen und Draußen, Freund und Feind zu unterscheiden, und sich hinter den selbstaufgeworfenen Wällen einigermaßen komfortabel einzurichten. Wenn auch diese Lösung eine scheinbare ist - gibt es also Hoffung?


4

Auch die Hoffnung ist vielleicht Luhmanns Texten zu entnehmen, einem Nebengedanken Luhmanns, der eher eine Krisenlinie seiner Theorie als einen selbstverständlichen Haben- Faktor markiert: der Tatsache nämlich, daß jeder Einzelne nicht einer, sondern mehreren gesellschaftlichen Gliederungen angehört. Was ein naiver Systembegriff auszuschließen scheint, nämlich gesteht Luhmann ausdrücklich zu: "Als selektive Prozesse können Handlungen mehreren Systemen zugleich angehören, können sich also an mehreren System/Umwelt- Referenzen zugleich orientieren. Soziale Systeme sind daher nicht notwendig wechselseitig exklusiv - so wie Dinge im Raum."(47)
Die genannten 'Theoriesekten' bereits sind eine Strukturierung, die quer zur offiziellen Fachgliederung verläuft, und oft machtvoller ist als diese, etwa wenn sich Germanisten, Biologen und Informatiker - Abschlagszahlung auf die geforderte 'Interdisziplinarität' - zu einer 'Konstruktivismus'-Tagung versammeln. Im selben Sinn ist der Einzelne eben nicht nur Wissenschaftler, sondern angeschlossen auch an die anderen symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien (Liebe, Recht, Wirtschaft), und darüber hinaus Kunde der Massenmedien, Mitglied des Elternbeirats, hat Hobbys usf.
Die Trennung der gesellschaftlichen Systeme also, die soziologische Rollentheorie hat dies ausführlich beschrieben, geht durch den Einzelnen mitten hindurch. Was als eine neuerliche Spaltung erscheint, aber könnte tatsächlich den Ansatz einer Lösung enthalten, einer paradoxen und unvollständigen Lösung, die die Reinheit der systemtheoretischen Grundannahmen in einigem beschädigt. Zweifellos ist die Überlagerung der Rollen im Kopf und in den Praxen des Einzelnen ein anti-paranoides Element. Es entstehen Netzverbindungen quer zu der sektoralen Gliederung der offiziellen Arbeitsteilung; und vielleicht rentiert sich hier das Beharren Luhmanns, zwischen Arbeitsteilung und gesellschaftlicher Differenzierung zu unterscheiden.
Inhalte wandern an diesen Querverbindungen entlang, durch die Individuen hindurch. Dergestalt zu einer Relaisstation gemacht, werden sich diese vielleicht nicht komfortabler fühlen, aber möglicherweise ein anderes Selbstverständnis entwickeln; nicht Sachwalter, Verwalter diskursiv fixierter Gegenstände zu sein, sondern Knoten in einem Netz, und in vielen Netzen, die unterschiedlichen Regeln gehorchen.
Auch dies, zweifellos, ist eine Entlastung. Auch wenn wir der Arbeitsteilung und der Struktur der Netze nicht trauen, wenn wir Vorbehalte haben gegen ihre real existierende gesellschaftliche Verfaßtheit, und berechtigte Vorbehalte gegen den Druck in Richtung Konformität, so scheint eben doch zu gelten, daß Kommunikation 'Identität' immer beschädigt, und 'Identität' ein um so schwächeres Bollwerk ist, je mehr sie als Bollwerk fungiert. Vielleicht gilt eben doch auf eine komplexere Weise, daß die Vernunft nicht in den Menschen, sondern zwischen den Menschen ihren Ort hat.








Anmerkungen:
(1) Wobei das letztere ein sicher problematischer Begriff ist, weil er reifiziert, was so vielleicht nicht zu reifizieren ist; ich behalte ihn dennoch bei, weil er den Vorteil hat, bestimmte andere Aspekte zu eröffnen. zurück

(2) "Man kann die soziokulturelle Evolution beschreiben als zunehmende Differenzierung der Ebenen, auf denen sich Interaktionssysteme, Organisationssysteme und Gesellschaftssysteme bilden." (Luhmann, Niklas: Interaktion, Organisation, Gesellschaft. Anwendungen der Systemtheorie. In: ders: Soziologische Aufklärung 2. Opladen 1991, S. 13 (OA.: 1975)); siehe auch: ders.: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt/M. 1993, S. 22, 36ff (OA.: 1984); sowie: ders. (Hg.): Soziale Differenzierung. Zur Geschichte einer Idee. Opladen 1975. zurück

(3) Hejl, Peter M.: Wie Gesellschaften Erfahrungen machen oder was Gesellschaftstheorie zum Verständnis des Gedächtnisproblems beitragen kann. In: Schmidt, Siegfried J. (Hg.): Gedächtnis. Frankfurt/M. 1991, S. 293-336; S. 308ff. zurück

(4) Ebd., S. 304ff., 308ff.
"In intern differenzierten Gesellschaften [ist das Wissen] [...] und damit auch die gedächtnisabhängige Produktion von Bedeutungen [...] über die Gesellschaftsmitglieder verteilt und in ihnen und in der Systemorganisation verkörpert." (Ebd., S. 332). zurück

(5) Durkheim, Emile: Über soziale Arbeitsteilung. Studie über die Organisation höherer Gesellschaften. Frankfurt/M. 1992 (OA., frz.: 1930). zurück

(6) Bei Parsons ist dieser Bezug schon wesentlich weniger deutlich; zur Rolle der Arbeitsteilung siehe etwa: Parsons, Talcott: Grundzüge des Sozialsystems. In: ders.: Zur Theorie sozialer Systeme. Opladen 1976, S. 161-274, S. 256ff., 288ff (O.A., am.: 1961) und ders.: The Social System. Toronto (Ontario) 1964 (O.A.: 1951), S. 157ff.: "The modern Western type of occupational role structure stands near by the pole of maximum segregation [...]." zurück

(7) "Die klassische Theorie besagt: Gesellschaftliche Evolution ist zunehmende Differenzierung des Gesellschaftssystems. Differenzierung wird dabei nach dem im 18. und 19. Jahrhundert entwickelten Modell der Arbeitsteilung gedacht. Die Verlegenheit, in die dieses Modell führt, sind bekannt genug." (ders.: Systemtheorie, Evolutionstheorie, Kommunikationstheorie. In: ders.: Soziologische Aufklärung 2. Opladen 1975, S. 193-203, hier: S. 197) und:
"Während für Parsons Medienprobleme aus der sozialen Differenzierung folgen, also an deren Schematik gebunden bleiben, ist für uns umgekehrt die Chance selbstselektiven Aufbaus komplexer Systeme für spezifische Medien der vielleicht wichtigste Stabilisator evolutionären Erfolgs." (Luhmann, Niklas: Einführende Bemerkungen zu einer Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien. In: ders.: Soziologische Aufklärung 2. Opladen 1975, S. 170-192, hier: S. 180). zurück

(8) "Die Theoretiker der bürgerlichen Gesellschaft haben sich, im historischen Vergleich gesehen, faszinieren lassen durch die ungewöhnlich hohe funktionale Autonomie einzelner Sachbereiche oder Teilsysteme der Gesellschaft und haben die Gesellschaft von da aus reflektiert. Nennen wir nur als Beispiele wiederum: Comenius für die Pädagogik, Hobbes für die Politik, Kant für die Erkenntnistheorie, Marx für die Wirtschaft, Kelsen für das Recht. Demgegenüber brauchen wir einen theoretischen Apparat, der solche Autonomie-Perspektiven und Funktionsprimate noch kontrollieren und wieder relativieren kann; denn es geht nicht zuletzt um die Frage, ob und wie wir derart riskante Autonomien kontinuieren bzw. diskontinuieren können." (ders.: Systemtheorie, Evolutionstheorie..., a.a.O., S. 194). Und:
"Die klassische Vorstellung des Gesellschaftssystems [verführte dazu] [...], das Ganze von einem repräsentativen und dominierenden Teil, sei es der Politik, sei es der Wirtschaft, her zu deuten. Der gegenwärtige Zustand der Weltgesellschaft läßt sich jedoch nicht mehr unter dem Gesichtspunkt eines ontisch wesensmäßigen oder hierarchischen Primats eines besonderen Teilsystems begreifen, sondern nur noch aus den Funktionen, Erfordernissen und Konsequenzen funktionaler Differenzierung selbst." (Ders.: Die Weltgesellschaft. In: ders.: Soziologische Aufklärung 2. Opladen 1991 (Erg. H.W.) (OA.: 1971)). Aber:
"Heute definieren Wirtschaft, Wissenschaft und Technik die in der Gesellschaft zu lösenden Probleme mitsamt den Bedingungen und Grenzen ihrer Lösungsmöglichkeit" (Ebd., S. 58). zurück

(9) "Eine derart relationistisch ansetzende Theorie ist abschreckend unanschaulich, wenn man sie mit den Schuster-und-Schneider-Theorien der Arbeitsteilung vergleicht. Aber sie hat das größere Konstruktionsvermögen." (ders., Systemtheorie, Evolutionstheorie, a.a.O., S. 197). zurück

(10) Holmes, Stephen: Differenzierung und Arbeitsteilung im Denken des Liberalismus. In: Luhmann, Niklas (Hg.): Soziale Differenzierung. Zur Geschichte eine Idee. Opladen 1985, S. 9-41. zurück

(11) Holmes macht darauf aufmerksam, daß Prozesse gesellschaftlicher Differenzierung nicht ein ursprünglich Ungeschiedenes erstmalig gliedern, sondern alte Differenzierungen aufheben, um neue an ihre Stelle zu setzen. Holmes spricht deshalb von Prozessen der "Gegendifferenzierung (counterdifferentiation)" (ebd., S. 10); "Mit der Trennung von Wissenschaft und Religion, von persönlichem Reichtum und politischer Macht, sind nur zwei der grundsätzlichen Grenzsetzungen genannt, für die klassische Liberale - bis zu einem gewissen Grade mit Erfolg - kämpften. Dieses neue Differenzierungsmuster ist nur in seinem Kontext - als eine politische Reaktion, eine erwünschte Form der Gegendifferenzierung - zu verstehen. Traditionelle europäische Gesellschaften waren wie Honigwaben von zahlreichen Trennwänden durchsetzt." (Ebd.) "[...] Markt als eine wertvolle Form der Gegendifferenzierung [...]. Wirtschaftliches Wachstum brachte die umwälzende Vereinheitlichung einer segmentierten Gesellschaft mit sich". (Ebd., S. 17) "'Fortschritt' sit ein Prozeß der gleichzeitigen Zunahme und Abnahme von Differenzierung." (Ebd., S. 20).
Luhmann selbst übrigens sieht dieses Problem: "[Der Begriff der strukturellen Differenzierung] übergreift jedoch zu viel und erklärt zu wenig. Vor allem für eine Kombination mit evolutionstheoretischen Analysen reicht er nicht aus, da Evolution offensichtlich Strukturen nicht nur differenziert, sondern auch generalisiert und vereinfacht." (ders.: Systemtheorie, Evolutionstheorie..., a.a.O., S. 197) und er spricht von einer "Umstrukturierung menschlicher Gesellschaften von segmentärer auf funktionale Differenzierung." (ders.: Die Weltgesellschaft. In: Soziologische Aufklärung 2. Opladen 1975, S. 59). zurück

(12) Holmes, Differenzierung und Arbeitsteilung..., a.a.O., S. 17, 34. zurück

(13) Luhmann, Niklas: Interaktion, Organisation, Gesellschaft. a.a.O., S. 9. zurück

(14) Luhmann nennt in der historischen Abfolge drei Theoriekonzepte: zunächst Selbstorganisation, dann Selbstreferenz und schließlich Autopoiesis (ders.: Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt/M. 1993, S. 25ff, S. 60 (OA.: 1984)). zurück

(15) Ebd., S. 36. zurück

(16) Ebd., S. 35. zurück

(17) Luhmann macht hier unterschiedliche Aussagen: einerseits spricht er vom "Abbruch von Interaktion als Modus der Konfliktlösung", Basis der relativen Unabhängigkeit der Systeme untereinander; "Die Lösung [..] liegt in einer stärkeren Differenzierung von Interaktionssystemen und Gesellschaftssystem. [...] Die Konkurrenz auf dem Markt, die große ideologische Kontroverse, die konterkarrierenden Schachzüge in der Mikropolitik der Organisationen schließen es nicht aus, daß man gemeinsam zum Essen eingeladen wird." (ders.: Interaktion, Organisation, a.a.O., S. 17). Andererseits sagt er: "Grenzen markieren dabei keinen Abbruch von Zusammenhängen. Man kann auch nicht generell behaupten, daß die internen Interdependenzen höher sind als die System/Umwelt-Interdependenzen. Aber der Systembegriff besagt, daß grenzüberschreitende Prozesse [...] beim Überschreiten der Grenze unter andere Bedingungen der Fortsetzung [...] gestellt werden." (ders.: Soziale Systeme, a.a.O., S. 35f). zurück

(18) Siehe etwa ders.: Einführende Bemerkungen..., a.a.O., S. 178ff. zurück

(19) Ders.: Einfache Sozialsysteme. In: ders. Soziologische Aufklärung 2, Opladen 1991, S. 21-38, hier S. 28. zurück

(20) Ebd., S. 22. zurück

(21) In Frankfurt sind diese drei Gegenstände in einem gemeinsamen Fach zusammengefaßt worden. zurück

(22) Beispiel sei eine Diskussion die 1996 innerhalb der Gesellschaft für Film- und Fernsehwissenschaft geführt wurde; hier wurde zwar erkannt, daß es sich bei den Medien um "ein[en] Gegenstand - viele Wissenschaften" handelt, daraus aber vor allem der Schluß gezogen, es gelte, die 'Identität' des eigenen, philologisch/ästhetisch/historischen Approaches deutlicher zu machen. In einem Artikel mit dem gleichen Titel vertritt K. Prümm eine offenere Position (Prümm, Karl: Medienwissenschaft: ein Gegenstand - viele Wissenschaften. Aufforderung zum Dialog. In: Film- und Fernsehwissenschaft, Nr. 1/96, S. 6-7). zurück

(23) So hat in Frankfurt mit der Gründung des Instituts für TFM die Anzahl der medienrelevanten Seminare in den übrigen Philologien nicht zu-, sondern abgenommen. zurück

(24) Es gibt innerhalb der Philologien selbst vielfältige Ansätze, das Problem zu reflektieren; in den Post colonial studies etwa wird zwischen Sprach- und Kulturräumen sehr genau unterschieden und der historische Prozeß, der zu den Grenzziehungen geführt hat, wird zum Gegenstand der Überlegungen gemacht. Ebenso wird in den Theorien zu 'Otherness', Exklusion und 'Abjection' versucht, dem Problem der Grenzziehung näherzukommen. zurück

(25) Die Medienwissenschaft, wie gesagt, hat das Glück oder Unglück, über vergleichbar stabile Grenzen nicht zu verfügen. Der Gegenstand selbst scheint kaum geeignet, eine verläßliche Grenze zu liefern, dies zeigt die intensive Diskussion, die gegenwärtig um den Medienbegriff geführt wird. Von bestimmten Kernbereichen - traditionell: Film und Fernsehen - abgesehen, scheint es äußerst schwierig zu sein, zu einer befriedigenden Mediendefinition zu kommen. Und darüberhinaus eben haben sehr verschiedene universitäre Fächer die Medien zu ihrer Sache gemacht. zurück

(26) Ders.: Die Realität der Massemmedien. Opladen 1996, S. 10ff., 32ff. zurück

(27) "Mit dem Begriff der Massenmedien sollen im folgenden alle Einrichtungen der&127; gesellschaft erfaßt werden, die sich zur Verbreitung von Kommunikation technischer Mittel der Vervielfältigung bedienen." (Ders., Realität der Massenmedien, a.a.O., S. 10). zurück

(28) Ders.: Realität der Massenmedien, a.a.O., S. 153, 173.
Die Rolle des 'Beobachters' ist sicher eine der problematischsten Konstruktionen innerhalb der Systemtheorie... zurück

(29) "Was ist ein Medium? Was ist ein Kommunikationsmedium? Was ist ein symbolisch generalisiertes Kommunikationsmedium? [...] Vorab muß klargestellt werden, daß nicht von den sogenannten 'Massenmedien', von Zeitungen, Fernsehen usw. die Rede ist. Auch meinen wir nicht übertragungstechnische Einrichtungen irgendwelcher Art, zum Beispiel Drähte oder Funkwellen [...]." (ders.: Die Wissenschaft der Gesellschaft. Frankfurt/M. 1994, S. 181 (OA.: 1990)). zurück

(30) Parsons, Talcott: Über den Begriff der 'Macht'. In: ders.: Zur Theorie der sozialen Interaktionsmedien. S. 57-137, S. 68ff (OA., am: 1963);
- ders.: Über den Begriff 'Einfluß'. Ebd., S. 138-182, (OA., am.: 1963);
- ders.: Über den Begriff 'Commitments'. Ebd., S. 183-228 (OA., am: 1968).
Siehe auch: Turner, Terence S.: Parsons' Concept of 'Generalized Media of Social Interaction' and its Relevance for Social Anthropology. In: Sociological Inquiry, Nr. 38, 1968, S. 121-134. zurück

(31) "Macht wird hier analog zum Geld als zirkulierendes Medium begriffen, das innerhalb des politischen Systems umläuft [...]. Eine Spezifizierung der Eigenschaften von Macht scheint mir am leichtesten nach einer kurzen Skizze der entsprechenden Charakteristika von Geld als Medium der Ökonomie möglich zu sein." (Parsons, Über den Begriff der Macht, a.a.O., S. 68).
"The prototype and most highly developed example of generalized media of social interaction is language." (Turner, Parsons' Concept..., a.a.O., S. 121). zurück

(32) Luhmann, Niklas: Einführende Bemerkungen zu einer Theorie symbolisch generalisierter Kommunikationsmedien. In: ders.: Soziologische Aufklärung 2. Opladen 1988, S. 177ff (OA.: 1974). zurück

(33) Luhmann sagt: der organischen Prozesse (ebd., S. 181). zurück

(34) Ebd.; zu Wissenschaft und Wahrnehmung siehe auch: ders., Die Wissenschaft der Gesellschaft, a.a.O., S. 224ff, 230ff. zurück

(35) 1995 erscheint die erste Monographie, die die Massenmedien im Titel trägt: L., N.: Die Realität der Massenmedien, a.a.O.; vorher, es wurde gesagt, sind verschiedene Aufsätze zum Thema erschienen. zurück

(36) Ders., Realität der Massenmedien, a.a.O., S. 32ff.
Eine klarere Trennung hatte Luhmann in den 'Sozialen Systemen' versucht; ausgehend von einem dreistelligen Kommunikationsmodell, das den Sachverhalt, den Kommunikator und den Empfänger unterscheidet (ders.: Veränderungen im System gesellschaftlicher Kommunikation, a.a.O., S. 21 (OA.: 1975), bzw. in einem zweiten Modell: Information, Mitteilung, Verstehen und viertens die Annahme bzw. Ablehnung des Kommunizierten (ders.: Soziale Systeme, a.a.O., S. 203)), sieht Luhmann drei mögliche Bruchstellen, an denen Kommunikation möglicherweise scheitert: Das Verstehen kann scheitern, der Adressat kann möglicherweise nicht erreicht werden, und drittens schließlich ist der Erfolg der Kommunikation nicht sichergestellt (Ebd., S. 217f.). Kommunikation, sagt Luhmann, ist insofern 'unwahrscheinlich'. Medien dienen dazu, diese Unwahrscheinlichkeit wahrscheinlicher zu machen.
Und entsprechend werden den drei 'Bruchstellen' drei verschiedene Medientypen zugeordnet: Die Sprache dient dem Verstehen (insofern sie den Raum des Sagbaren einschränkt), die technischen Medien steigern die Erreichbarkeit des Adressaten und die symbolisch generalisierten Kommunikationsmedien verbessern als eine Art 'Persuasivtechnik' die Bedingungen für die Annahme des Kommunizierten (Ebd., S. 220ff.).
Unzufrieden mit dieser Zuweisung versucht z.B. Ellrich, den Computer in Luhmanns System anders zu verorten (Ellrich, Lutz: Beobachtung des Computers. Die Informationstechnik im Fadenkreuz der Systemtheorie. Institut für Informatik und Gesellschaft, IGG-Berichte, Freiburg 3/95, S. 9ff., S. 18, S. 31ff.). zurück

(37) ders.: Die Realität, a.a.O., S. 36.
Diese Differenz ist sicher bestreitbar, zumal sie kaum näher erläutert wird. zurück

(38) Ders., Die Wissenschaft der Gesellschaft, a.a.O., S. 184, 266ff.;
"Technik, technisch, Technisierung soll in diesem Zusammenhang heißen, daß der Vollzug ohne allzu viel Reflexion, vor allem aber ohne Rückfrage beim Subjekt oder beim Beobachter möglich ist. In diesem Sinne bezeichnet der Technikbegriff einen Entlastungsvorgang." (Ebd., S. 197).
An anderer Stelle schließt Luhmann die Technik aus der Betrachtung der Medien ausdrücklich aus: "Während wir die technischen Apparaturen, die 'Materialitäten der Kommunikation', ihre Wichtigkeit unbenommen, aus der Operation des Kommunizierens ausschließen, weil sie nicht mitgeteilt werden [...]." (Ders.: Die Realität der Massenmedien, a.a.O., S. 13). zurück

(39) Ders., Die Realität..., a.a.O., S. 120f. (Erg. H.W.). zurück

(40) Ebd., S. 177f.
Und, vielleicht noch klarer: "Symbole [dienen] der Anschlußfähigkeit, der Bindung der Kommunikation als Moment der Produktion weiterer Kommunikationen. [...] Dieser Bindungseffekt kann auch als Zeitersparnis aufgefaßt werden, nämlich als Einsparen der Zeit, die man aufwenden müßte, wenn man den Informationsverarbeitungsprozeß wiederholen wollte, der zur Applikation [?] des Mediensymbols geführt hat." (Ders., Die Wissenschaft..., a.a.O., S. 213f (Erg. H.W.)) zurück

(41) Dem Liebesdiskurs und seiner Wechselbeziehung zur Literatur hat Luhamnn eine eigene Monographie gewidmet (ders.: Liebe als Passion. Zur Codierung von Intimität. Frankfurt/M. 1994 (OA.: 1982)). zurück

(42) Für die Warenseite, nach wie vor an den materiellen Transport gebunden, gilt dies nicht. zurück

(43) Dies wiederum entspricht einer Ausgangsdefinition bei Luhmann: "Grundgedanke ist, daß erst die maschinelle Herstellung eines Produktes als Träger der Kommunikation - aber nicht schon Schrift als solche - zur Ausdifferenzierung eines besonderen Systems der Massenmedien geführt hat." (ders.: Realität der Massenmedien. a.a.O., S. 11, siehe auch S. 32, 33). zurück

(44) Dies erklärt vielleicht, warum das Internet, als neues Medium der Wissenschaft, so ungeheuer große Hoffnungen auf sich gezogen hat. zurück

(45) Inzwischen wird diese Sicht auch in weiten Bereichen der Naturwissenschaften kritisch... zurück

(46) "Mit zunehmender Komplexität steigt die Differenzierung der Interessen und Perspektiven, nehmen die Anlässe und die strukturellen Möglichkeiten für Negationen zu." (Ders., Interaktion, Organisation, a.a.O., S. 17). zurück

(47) Ders.: Interaktion, Organisation..., a.a.O., S. 18.
Siehe auch Hejl: "Da Individuen Komponenten in vielen unterschiedlichen Sozialsystemen sein können [...], werden die Grenzen zwischen den unterschiedlichen Komponenten-'Rollen' immer wieder überschritten: es kommt innerhalb der umfassenden kognitiven Prozesse von Individuen zu Interaktionen zwischen den unterschiedlichen synreferetiellen Teilbereichen, die sie ausgebildet haben. Sozialsysteme interagieren demnach auf doppelte Weise: einerseits direkt über Komponenten, die als solche mit Komponenten anderer Systeme interagieren [...], oder über Mehrfachmitgliedschaften von Individuen in verschiedenen Sozialsystemen." (Hejl, Wie Gesellschaften, a.a.O., S. 304f.). zurück