(Vortrag in der Hochschule für angewandte Kunst, Wien, Synema, 15. 03. 94)
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Hartmut Winkler

Medien - Speicher - Gedächtnis.

. "Das [menschliche] Gedächtnis [ist] kein anonymes Archiv, das dauernd ergänzt [...] und in einer Art Registratur aufbewahrt wird. Es ist auch kein Ordner, der die Ereignisse sortiert und festhält oder, wie Nietzsche sagt, mumifiziert. Es ist im Gegenteil eine sich dauernd verändernde, eminent lebendige individuelle und geistige Realität."(1)
Die Geschichte der Gedächtnistheorien ist durch einen eigentümlichen Widerspruch gekennzeichnet: auf der einen Seite die Tradition der Rhetorik, die eine Fülle technisch- mechanischer Modelle und Begriffe hervorgebracht hat, auf der anderen Seite die Psychologie, die Philosophie, oder allgemeiner: die Humanwissenschaften, die darauf beharren, daß es sich bei allen mechanischen Modellen um Metaphern handele,(2) und daß die Vorgänge des menschlichen Gedächtnisses auf technische Prozesse in keiner Weise abbildbar seien.(3)
Jeden, der sich mit den Medien beschäftigt, aber muß diese Gegenüberstellung zutiefst unbefriedigt lassen. Selbst wenn nämlich beide Seiten, jede auf ihrem Terrain, recht hätten, wenn die Polarität also tatsächlich unüberbrückbar wäre - was würde dies für eine Theorie der Medien bedeuten? Als technisch-mechanische Implementierungen fielen die Medien exakt auf die Seite jener 'Archive', 'Registraturen' und 'Speicher', die dem 'lebendigen', menschlichen Gedächtnis entgegenzusetzen wären. Die Medien erschienen ein weiteres Mal als ein Werkzeug, vielleicht als eine 'Extension',(4) in jedem Fall aber als ein Sekundäres und Abgeleitetes, das zu einem primären 'natürlichen' Gedächtnis von außen hinzutritt.
Die Schwierigkeit wird verstärkt durch die Tatsache, daß die jüngere Medientheorie die skizzierte Sicht weitgehend aufgenommen hat. Man wird sich vergegenwärtigen müssen, daß die Funktion der Speicherung in den traditionellen Mediendefinitionen keine Rolle spielt.(5) Die einseitige Orientierung auf 'Kommunikation' hatte den Blick für diesen Aspekt verstellt und erst das Auftreten des Computers und die verstärkte Aufmerksamkeit für die Schrift hatten das Defizit überdeutlich gemacht. Aufgenommen aber wurde der Speicherbegriff in seiner mechanistischsten Ausprägung;(6) in ihrem Anspruch, die Geisteswissenschaften vom Kopf auf die Füße zu stellen, ging die Medienwissenschaft in die denkbar schlichteste Falle, indem sie auf die 'materialistische' Seite wechselte, die angebotene Polarität aber akzeptierte.(7)
Wenn das Problem also weniger in der Wahl der Seiten als in der Gegenüberstellung selbst zu liegen scheint, könnte es lohnen, sich für den Raum zu interessieren, der zwischen den Speichern und den Gedächtnissen sich auftut. Die Frage wäre nicht mehr, ob Speicher und Gedächtnisse tatsächlich zu vergleichen sind, sondern auf welche Weise sie interagieren. Es wäre notwendig, ihre jeweilige historische Konstellation zu beschreiben, und man wird davon ausgehen müssen, daß die mechanischen Speicher auf die Struktur und die Inhalte der 'natürlichen' Gedächtnisse zurückwirken. Erst so formuliert, meine ich, fällt die Frage nach Speicher und Gedächtnis überhaupt ins Feld der Medientheorie.
Liest man die klassischen mnemotechnischen Texte unter dieser Perspektive noch einmal, fällt auf, daß sie selbst eine Vielzahl von Ansatzpunkten bieten, die die skizzierte Polarität irritieren. Es wird also darauf ankommen, gezielt nach Brückenkonstruktionen zu suchen, die den Abgrund zwischen den Subjekten - den Herren und Besitzern (?) der einzelnen Gedächtnisse - und dem intersubjektiven Raum moderieren. Theorien zum kollektiven Gedächtnis, und zu 'Formen und Funktionen der kulturellen Erinnerung'(8) kommt dabei eine besondere Bedeutung zu...
 

2

Zunächst also ein Fall aus der Geschichte der Mnemotechnik. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts baute der Italiener Giulio Camillo eine hölzerne Konstruktion, von der er behauptete sie eröffne den Zugang zum Schatz der Beredsamkeit und den Schönheiten der Dichtkunst und sei geeignet, dem menschlichen Verstand alle Dinge der Welt, alle Künste und Wissenschaften einzuprägen.(9) Der äußeren Form nach war die Konstruktion einem Rund-Theater nachempfunden; wer den Innenraum betrat, sah sich mit einer Fläche von Bildern konfrontiert, die durch die Architektur des Baus in Geschosse und Segmente gegliedert war; die Bilder selbst hatte Camillo von hochrangigen Malern seiner Zeit anfertigen lassen.(10)
Die horizontale Einteilung des Raums entsprach den sieben Planetensphären, die vertikale sieben Stadien der Entwicklung, von den ersten Prinzipien hin zu den Elementen, zur natürlichen Welt, zum Menschen, zu den Künsten und schließlich zu den Wissenschaften. Auf diese Weise repräsentierte jedes Feld der Matrix einen bestimmten Aspekt des Kosmos.(11)
Die Bilder hatten vor allem die Aufgabe, den Überblick zu erleichtern. Hinter den Bildern nämlich befanden sich Fächer mit den Texten der großen Schriftsteller und Philosophen, so daß der Benutzer dort die Belegstellen, Begriffe und rhetorischen Mittel finden konnte, die es ihm erlaubten, mit den unterschiedlichen Gegenständen umzugehen.(12) Das ganze war damit einerseits ein Zugriffssystem, eine Registratur, oder, wie Yates sagt, eine "sehr ornamentale Aktenablage".(13) Andererseits aber, und dieser Aspekt wird im folgenden wichtig werden, war der Bau der Entwurf einer metaphysischen Weltordnung, und stand damit in der Tradition der neoplatonistisch-hermetischen Systeme, die, streng hierarchisch und zentriert, aus der Einheit Gottes seine wichtigsten Eigenschaften, und aus diesen Eigenschaften alle Dinge der Welt deduzierten.(14)(15) Solche Weltordnungen waren semantische Konstrukte. So fremd uns ihre Starrheit und ihre religiöse Zentrierung heute erscheint, so eindeutig führen sie auf die Frage, welche 'Ordnung der Dinge' an ihre Stelle getreten ist, und welche semantischen Konstrukte zu anderen Zeiten - oder heute - die Kohärenz der Weltbilder garantieren.
Und noch ein zweites Problem wirft Camillos Theater auf: die Konstruktion nämlich beansprucht, zwischen dem Innen des Kopfes und dem Außen einer materialen Anordnung eine definierte Beziehung herzustellen. Diese Relation geht in die Metaphorik unmittelbar ein: Camillo, so schrieb ein Zeitgenosse, "hat für dieses sein Theater viele Namen, mal nennt er es einen gebauten oder gestalteten Geist oder Seele, mal sagt er, es sei mit Fenstern versehen. Er gibt vor, daß alles, was der menschliche Geist erfassen kann und was wir mit dem körperlichen Auge nicht sehen können, nachdem es durch sorgfältige Meditation gesammelt sei, durch gewisse körperhafte Zeichen in einer solchen Weise zum Ausdruck gebracht werden könne, daß der Betrachter mit seinen Augen sogleich alles begreifen kann, was sonst in den Tiefen des menschlichen Geistes verborgen ist. Und wegen dieser körperlichen Anschauung nennt er es ein Theater." (16)
Camillos Bau stellt damit exakt eine jener 'Brückenkonstruktionen' dar, für die eine medientheoretisch motivierte Durchsicht der Mnemotechnik sich vorrangig zu interessieren hätte. Das Subjekt und die materiale Konstruktion stehen sich nicht einfach gegenüber, sondern die Konstruktion beansprucht, trotz ihrer mechanischen Starrheit dem Gedächtnis strukturähnlich zu sein und zu explizieren, was 'sonst in den Tiefen des menschlichen Geistes verborgen ist'. Ob dieser Anspruch hybride ist (und ein Vorläufer der hybriden Modelle der Künstlichen Intelligenz), ist an dieser Stelle irrelevant; entscheidend nämlich erscheint, daß die Konstruktion darauf abzielt, eine Interaktion zu organisieren.
Das Subjekt entäußert Gedächtnisinhalte, bzw. sammelt Äußerungen, die der Diskurs zur Verfügung stellt; das Wissen der Welt - umgekehrt - wirkt auf den Betrachter zurück; und als eine Ebene der Explikation wirken der Bau, die Bilder und die Texte darin zusammen, dem Gedächtnis eine Ordnung oder allgemeiner: eine Struktur aufzuprägen...(17)
Die so skizzierte Perspektive nun läßt sich auf nahezu alle Gedächtnismodelle der Rhetoriktradition applizieren.(18) So wird zum Beispiel deutlich, in welchem Maß bereits die antike Mnemotechnik eine Technik war, und dies, obwohl sie es nicht mit materialen Manifestationen, sondern zunächst ausschließlich mit Vorstellungen zu tun hatte.
Die Mnemotechnik empfahl dem Redner, der seinen Text für den mündlichen Vortrag memorierte, für jedes Argument oder jeden Teil der Rede ein interessantes und deshalb leicht erinnerbares Bild zu finden; diese Bilder sollten in den Räumen eines Gebäudes lokalisiert werden, das dem Redner gut bekannt war; während seines Vortrags konnte er die Räume in seiner Vorstellung abschreiten und sich die Bilder eines nach dem anderen ins Gedächtnis rufen.(19)
Die Mnemotechnik war insofern ein technisches Verfahren der Selbstbeeinflussung, das die Erfahrung äußerer, architektonischer Räume dazu benutzte, die weit weniger geordneten Innenräume des Gedächtnisses zu organisieren. Die Rede vom 'künstlichen' Gedächtnis, ein Begriff, der bereits in der römischen Rhetoriklehre auftritt,(20) ist insofern wörtlich zu nehmen; das künstliche Gedächtnis aber steht dem natürlichen nicht einfach gegenüber, sondern ist von vornherein als eine Relation zwischen außen und innen, als ein Modell der Einwirkung gedacht.
Und gleichzeitig treten die historischen Unterschiede deutlich hervor: Antike Mnemotechnik beansprucht nicht wie das Theater Camillos, eine intersubjektiv verbindliche 'Ordnung der Dinge' zu definieren. Objekt der Bemühung ist der einzelne Text, der erinnert und reproduziert werden soll, und die schwierige Aufgabe, verzweigte Vorstellungskomplexe einer linearen Abfolge zu unterwerfen.
Die Ordnung der Dinge ist damit vorausgesetzt. Anders eben als bei Camillo scheint sie selbstverständlich gegeben und keiner technischen Stütze zu bedürfen. Sie regiert im Hintergrund und wird als solche nicht expliziert. An wenigen Punkten jedoch tritt das Problem an die Oberfläche: etwa dann, wenn dem Rhetor empfohlen wird, statt auf die 'loci' seiner individuellen Erinnerung auf 'loci communes' zu rekurrieren,(21) auf 'Gemeinplätze' also, die er in den Köpfen seiner Zuhörer voraussetzen kann. Als ein semantisches System verweisen die loci communes auf die Sprache und auf die Struktur der gesellschaftlichen Wissensbestände. Und es deutet sich hier eine Fragestellung an, die auf dem Terrain der Rhetoriktradition allein nicht wird beantwortet werden können...
 

3

Zunächst aber zurück zum Problem der Medien und der Materialität der externen Speicher. Wenn ansatzweise plausibel geworden ist, daß Camillos Theater weniger ein 'Archiv' als eine Interaktion organisiert, so könnte es möglich sein, Medien generell nach diesem Schema zu beschreiben. Die Geschichte der Medien erschiene als eine Abfolge von Konstellationen, die die menschlichen Gedächtnisse und die externen Speicher auf jeweils historisch differente Weise aufeinander bezieht. Eine so entworfene Mediengeschichte weicht sowohl von den traditionellen Modellen, als auch von dem Schema, das Assmann und Assmann vorgeschlagen haben,(22) auf signifikante Weise ab.
Wollte man die Skizze ausführen, ergäbe sich ungefähr folgendes Bild: Die erste Periode der sogenannten 'oralen' Kulturen wäre dadurch gekennzeichnet, daß externe Speicher für die Sprache zunächst nicht zur Verfügung standen. Ein großer Teil des gesellschaftlichen Wissens mußte deshalb in die Körper und die Gedächtnisse der involvierten Subjekte eingeschrieben werden. Die rituelle Wiederholung war dafür das wichtigste Mittel; und sowohl diskursive als auch nichtdiskursive Ereignisse mußten periodisch-institutionell wiederkehren, wenn sie nicht dem Vergessen anheimfallen sollten.
Es entstände allerdings ein verzerrtes Bild, würde man diese Gesellschaften auf die 'Oralität' reduzieren. Selbstverständlich nämlich war - außerhalb des Bereichs der Sprache - eine große Zahl externer Speicher verfügbar: Monumente,(23) Bildwerke, die kultivierte Landschaft, die Bauweisen und die Produktionstechniken, all dies externe Speicher gesellschaftlichen Wissens,(24) die mit den sprachlichen Diskursen und den praktisch-institutionellen Wiederholungen auf komplizierte Weise verwoben sind, und selbst einen unmittelbaren Einfluß auf die Gedächtnisse ausüben.(25)
Am Beispiel der oralen Kulturen wird besonders deutlich, daß es nicht allein darum geht, welche Gedächtnisinhalte äußeren, materiellen Trägern anvertraut werden können; damit Wiederholung sich überhaupt ereignen kann, müssen zwei miteinander verbundene Instanzen zusammenwirken: das Gedächtnis, das das Muster der Wiederholung bewahrt, und zweitens das äußere Diskursereignis, die 'Aufführung', die das Muster aktualisiert und den Gedächtnisinhalt wiederum auffrischt.(26) Das gesellschaftliche Wissen, so könnte man sagen, durchquert das Außen, bevor es zu einem gesellschaftlichen überhaupt werden kann; es verteilt sich und koordiniert Inhalt und Struktur der empirischen Gedächtnisse...(27)
Die zweite Phase wäre diejenige der Schriftkulturen. Zu den genannten externen Speichern - Monumenten, Bildwerken, kultivierter Landschaft, Bauweisen und Produktionstechniken - kommt hinzu, daß nun auch sprachliche Ereignisse dem Präsens entrissen und außerhalb der Gedächtnisse über längere Zeit bewahrt werden können.(28) Für die Frage nach der Interaktion bedeutet dies, daß zum ersten Mal eine Art Konkurrenzsituation zwischen den Gedächtnissen und den Speichern deutlich wird: Texte können entweder in die Subjekte oder aber in mechanische Speicher eingeschrieben werden, eine Alternative, die am Diskurs der Bilder oder der Monumente so sicher nicht wahrnehmbar war.
Die Bedeutung ritueller und wörtlicher Wiederholungen tritt zurück und neue Typen von Wiederholung - zeitversetzte Lektüre, Intertextualität usw. - stabilisieren nun den Diskurs. Wohl am wichtigsten aber ist, daß die Funktion des Gedächtnisses selbst sich ändert: vom Wortlaut weitgehend entlastet, muß es nun den Zugriff auf Texte gewährleisten; es verändert deshalb die Perspektive, wenn man die Schriftkulturen nicht mehr vom einzelnen Text, sondern von der Bibliothek aus entwirft; die Bibliothek organisiert den Zugriff auf Texte, funktioniert selbst aber nach dem Muster der Monumente oder der Architektur...
Kontroverser erscheint, auf welche Weise die dritte Phase abgegrenzt werden kann. Anders als Assmann/Assmann (und McLuhan) halte ich es für abwegig, an das Literaturuniversum unmittelbar eine Periode der 'Elektronik' anzuschließen.(29) Sehr viel sinnvoller erscheint es, dem Vorschlag von Kittler zu folgen und als drittes eine Phase der technischen Bilder oder allgemeiner der 'Realaufzeichnungen' zu konstruieren.(30) Photographie, Film und Ton- bzw. Geräuschaufzeichnung wären dadurch beschrieben, daß nicht mehr Symbole, sondern nun Spuren realer Ereignisse Gegenstand der Aufzeichnung sind. Daß Photographie und Grammophon zwischen intendierten und zufälligen Inhalten keinen Unterschied machen, muß die Vorstellung wecken, nun sei eine Schrift des Realen gefunden, eine Schrift, die ohne Sprache, ohne vordefiniertes symbolisches System auskommen könne.
Diese Vorstellung, selbstverständlich, ist illusionär;(31) für die Medien zwischen 1840 und mindestens 1960 aber ist sie konstitutiv, und für die Gedächtnisproblematik bedeutet dies, daß Speicher und Gedächtnisse sich auf einem völlig neu definierten Feld konfrontiert sehen.
Die neuen Möglichkeiten der technischen Reproduktion und der Fernübertragung bedeuten zudem, daß zunehmend Speicher mit Speichern interagieren; nicht mehr zwangsläufig sind die Botschaften an Menschen gerichtet und immer häufiger braucht es immer kompliziertere Maschinen, um Botschaft oder Speicherinhalt dem Menschen überhaupt zugänglich zu machen.
Die vierte Phase wäre die des Computers, der als erstes Medium das Ineinandergreifen von Schreiben, Lesen und Speichern auf dem Terrain des Mediums selbst inszeniert...(32)
Die so skizzierte Interpretation der Mediengeschichte unter dem Aspekt der Interaktion - eine Rekonstruktion, die hier wie gesagt nur angerissen werden kann - hätte verschiedene Vorteile: Zum einen zwänge sie dazu, die Medien nicht mehr grundsätzlich vom Subjekt her, d.h. von innen nach außen, als eine 'Exkarnation'(33) oder Ich-Erweiterung zu denken. Der Frage, welche ihrer Funktionen die Gedächtnisse an die Speicher delegieren, wäre die gleichrangige Frage an die Seite zu stellen, wie die Inhalte und Strukturen in die empirischen Gedächtnisse hineingelangen und welcher äußeren Einwirkung die Gedächtnisse ihre Form verdanken. Ein zweiter Vorteil wäre, daß der Begriff der Interaktion selbst sich verändert: nicht mehr der einzelne Mensch steht der einzelnen Medienmaschine gegenüber, sondern das einzelne Gedächtnis interagiert mit dem intersubjektiven Raum, in dem die materiellen Speicher zu einer Art Landschaft zusammenrücken.
Gleichzeitig aber drängt sich der Verdacht auf, das Modell könnte auch in dieser Form noch deutlich unterkomplex sein, bzw. Implikationen und Kriterien mit sich führen, die problematisch sind und bestimmte wichtige Fragen systematisch verstellen. Spart man die generelle (und generell berechtigte) Kritik an uni-linearen Geschichtsmodellen aus, so scheint vor allem der Speicherbegriff selbst ein weiteres Mal verkürzt und nach wie vor auf ein allzu schlichtes, mechanisches Verständnis eingegrenzt. Es könnte deshalb lohnen, noch einmal grundsätzlich neu und bei einem gleichzeitig mehr als naheliegenden Punkt anzusetzen: der Rolle, die die Sprache (und sprachähnliche Symbolsysteme) für eine Theorie des Gedächtnisses spielen.
 

4

Es ist eine der großen Verblüffungen bei der Beschäftigung mit den Gedächtnistheorien, festzustellen, daß Überlegungen zur Sprache in diese Theorien so gut wie nicht eingegangen sind.(34) Sobald man aber nach Phänomenen Ausschau hält, die den Abgrund zwischen den Subjekten und den materiellen Speichern überbrücken, drängt eine Beschäftigung mit der Sprache sich geradezu auf.
Die Sprache nämlich hat die Besonderheit, grundsätzlich an beiden Sphären teilzuhaben; und mehr noch: fragt man nach ihrem materiellen Ort, erscheint die Sprache auf zwei materielle Orte verteilt. Zum einen hat sie ihren Sitz im Außen, im intersubjektiven Raum; dort tritt sie in Form von Texten auf,(35) materialisiert in schwingender Luft, bedrucktem Papier oder flüchtigen Bytes. Zum zweiten, und sicher nicht weniger materiell, nimmt sie die empirischen Gedächtnisse der Sprachbenutzer ein.(36) Zwei Orte also, und ein weiteres Mal 'Gedächtnisse' versus 'Speicher', mit dem Unterschied, daß das Funktionieren der Sprache beide Seiten in regelhafter Weise aufeinander bezieht.
Die Pointe und die besondere Schwierigkeit dieser Vorstellung nun ist, daß beide Seiten zunächst völlig auseinanderfallen. Als ein Inhalt des Gedächtnisses nämlich weist die Sprache eine völlig andere Struktur auf als im intersubjektiven Raum. Als ein Gedächtnisinhalt ist Sprache weder textförmig, noch besteht sie in der Erinnerung an konkrete Sprachereignisse, noch ist sie - allgemeinstes Strukturmerkmal sprachlicher Äußerungen - linear; sehr viel eher ließe sich Sprache hier als eine Kompetenz beschreiben, als ein semantisches System oder ein Netz sprachlicher Bezüge - all dies jedenfalls in deutlichem Kontrast zu allem, was Texte und Sprache im Außenraum kennzeichnen würde...
Eine Gedächtnistheorie, die sich auf die so beschriebene Strukturdifferenz einläßt, sieht sich von der rhetorischen Tradition auf das völlig andere Terrain der Sprachmodelle verwiesen; und hier scheinen vor allem zwei Grundvorstellungen relevant.
Die erste ist die von Saussure getroffene Unterscheidung zwischen der manifesten syntagmatischen Kette und den 'latenten' paradigmatischen 'Assoziationen'.(37) Im Rückgriff auf die Assoziationspsychologie nämlich zeigt Saussure, daß auch im Gedächtnis die Worte sich zu Ketten verknüpfen.(38) Jeder Begriff steht im Schnittpunkt einer Vielzahl von paradigmatischen Achsen; wobei Saussure Assoziationen nach Wortklang, nach semantischer Ähnlichkeit, morphologischen Gesetzmäßigkeiten usw. als völlig gleichrangig ansieht; all diese Achsen lokalisieren das Element im System der Sprache und bilden das Set von Alternativen, aus dem die Elemente für die manifeste syntagmatische Kette ausgewählt werden. Das Netz dieser Assoziationen ist es, das den einzelnen Elementen überhaupt erst Bedeutung verleiht; Bedeutung kommt damit nicht eigentlich den Texten oder Äußerungen zu, sondern entsteht, wenn Texte - äußere Sprachereignisse - auf das im Gedächtnis etablierte Netz sprachlicher Assoziationen treffen; Sprache in diesem Sinne ist sehr weitgehend ein Gedächtnisphänomen.
Daraus allerdings ergibt sich die Frage, auf welchem Weg die paradigmatischen Assoziationen in die Köpfe hineingekommen sein könnten. Saussure selbst deutet die Antwort nur an;(39) sie kann nur lauten, daß es die äußeren Sprachereignisse sind, die dem sprachlichen Gedächtnis seine Form verleihen, oder anders gesagt: daß die syntagmatischen Ketten auf Inhalt und Struktur der paradigmatischen Assoziationen zurückwirken. Auf diese Weise wird eine Art Zyklus vorstellbar, den die Sprache durchläuft und in dessen Verlauf Texte in Gedächtnisstrukturen und Gedächtnisstrukturen in Texte umschlagen.(40)
Die zweite Vorstellung, die für eine Theorie des sprachlichen Gedächtnisses relevant ist, ist die der Akkumulation. Im Rückgriff auf die Erkenntnisse der Gestaltpsychologie hat etwa Halbwachs gezeigt, daß sprachliche Elemente nur den Sonderfall eines allgemeineren Mechanismus der Schemabildung darstellen;(41) wie sich optische Wahrnehmungen, sobald sie sich wiederholen, überlagern und zu einem System feststehender Erwartungen und Schemata verfestigen, so wird man auch das System der Sprache auf Prozesse der Kumulation und der zunehmenden Abstraktion zurückführen müssen. Die sprachlichen Einzelereignisse, das ist der Kern der Behauptung, gehen in einen Prozeß der Akkumulation ein, dessen Resultat die Sprache selber ist; und deren Gesamtstruktur stellt ein unendlich verdichtetes Protokoll aller vorangegangenen sprachlichen Ereignisse dar.
Mit diesen beiden Modellen aber - und dies ist die Pointe der skizzierten Rekonstruktion - ist die Sprache selbst als ein 'Gedächtnis' modelliert. Wenn Sprache ihre Verwendungsweisen in sich aufnimmt, wenn sie selbst als ein kumulativer Prozeß, und das Netz der Begriffe als ein Produkt der Akkumulation verstanden werden müssen,(42) dann wird die Sprache selbst zu einer gedächtnisanalogen Struktur.
Und dies ist eine Vorstellung, die die Trennung in Speicher und Gedächtnis auf besonders wirkungsvolle Weise destruiert. Keineswegs nämlich hat die Sprache diese Eigenschaft nur, insofern sie sich der empirischen Gedächtnisse bedient; vielmehr ist es der sprachliche Prozeß, der die Speichermetapher überschreitet: Der einzelne Text (das einzelne Schriftstück) mag sich als ein mechanischer Speicher verhalten, der Diskurs als ganzer aber verhält sich wie ein 'natürliches' Gedächtnis: er vergißt, scheidet aus, akkumuliert, komprimiert - und all dies als eine gesellschaftlich implementierte Maschine, 'materiell' und intersubjektiv.
Vom einzelnen Text ist damit das Interesse auf den Diskurs, d. h. die Abfolge der Texte übergegangen; intertextuelle Bezüge, Zitatverhalten und Wiederholungsstrukturen entscheiden darüber, was bewahrt und was ausgeschieden wird, und was also in den Bedeutungsraum der Sprache eingeht. Und diese materialen Umbauprozesse, und eben nicht der einzelne Text, müssen als das materielle Gegenüber der Gedächtnisprozesse angesehen werden.(43)
 

5

Von hier aus nun ist noch einmal zu den Medien, zum einzelnen Text und zum Problem der Linearität zurückzukehren. Nun nämlich wird deutlich, daß das hier entwickelte Sprachmodell, der Prozeß der Akkumulation und die Parallele zwischen Gedächtnis und Diskurs am einzelnen Text nicht wahrgenommen werden können. Da diese Prozesse im diskursiven Raum weitgehend 'blind' und hinter dem Rücken der Beteiligten sich vollziehen, muß die Sprache, vom einzelnen Text aus gesehen, als eine immer schon fertige Struktur erscheinen, und auf dieser Ebene stehen die lineare Struktur der Texte und die nicht-lineare Struktur der Gedächtnisse sich tatsächlich gegenüber.
Es ist deshalb von äußerster Attraktivität, wenn ein Medium auftritt, das beansprucht, exakt diese Differenz zu eliminieren. Nicht mehr starre sondern nun dynamische Speicher, nicht mehr eine lineare, sondern eine von vornherein netzförmig-assoziative Struktur - das Medium, das diese Versprechen macht und machen kann, ist der Computer.
Was aber würde 'netzförmig' konkret, d. h. auf der Ebene einer materiell-medialen Anordnung bedeuten? Um diese Bestimmung genauer zu fassen, wird man sich vergegenwärtigen müssen, daß die Linearität von Sprache und Schrift nur einen Sonderfall von Kontiguität darstellt und daß Medien immer und ausschließlich Kontiguitätsverhältnisse organisieren. Auf der Ebene der einzelnen textuellen Struktur(44) geht es immer um die Anordnung von Material, um räumliche Nachbarschaft. Die einzelnen Medien allerdings unterscheiden sich in der Art und Weise, in der sie räumliche Nachbarschaft definieren: Schrift läßt Kontiguität nur entlang einer Raumachse zu, d. h. funktioniert linear; Bilder organisieren ihr Material zweidimensional-flächig; Skulptur, Architektur usw. verwalten drei Raumachsen, das Theater zusätzlich die Achse der Zeit...;(45) mit diesen vier Stufen aber sind die Möglichkeiten der Kontiguität endgültig ausgeschöpft.
Wenn also gesagt wurde, daß das sprachliche Gedächtnis netzförmig-assoziativ strukturiert sei und beliebig viele Nähe- und Kontrastachsen zulasse, so sprengt dies den Rahmen dessen, was wir als eine raum-zeitliche Kontiguität modellhaft uns vorstellen können. Das Netz der sprachlichen Assoziationen ist im dreidimensionalen Raum nicht repräsentierbar und dies ist der Grund warum die Sprache in den Köpfen und die Sprache im Außenraum auseinanderfallen.
Der Computer nun ist das erste Medium, das in der Organisation seiner Signifikanten an den dreidimensionalen Raum nicht mehr gebunden ist. Ihm ist es prinzipiell gleichgültig, mit wievielen Dimensionen er rechnet; und dies eröffnet die Chance, multidimensionale Netze aufzubauen, die zumindest auf der Ebene dieser Grundstruktur Ähnlichkeit mit dem Netz der sprachlichen Assoziationen haben könnten.(46)
Das Versprechen das der Computer macht, ist insofern auf eine einfache Formel zu bringen: er verspricht, was bisher eine 'latente' paradigmatische Struktur war, in eine 'manifeste', syntagmatische Struktur zu überführen; eine Struktur, die bisher ausschließlich in den Gedächtnissen vorgehalten werden konnte, in ein materiales und intersubjektiv zugängliches Konstrukt; in der Konsequenz - und damit ist die zentrale These des vorliegenden Textes erreicht - geht es um eine Externalisierung der Sprache.(47)
Die Parallele zum Theater Camillos ist überdeutlich. Wenn seine Konstruktion aus heutiger Sicht als unterkomplex und starr erscheint, so vor allem deshalb, weil sie an die drei Dimensionen eines aus Holz gebauten Raumes gebunden blieb; die Rechner, so könnte man sagen, setzen das Projekt mit erweiterten Mitteln fort;(48) an die Stelle des physischen, dreidimensionalen Raumes ist der Hyperraum getreten und es erscheint denkbar, daß die Komplexität semantischer Bezüge auf diesen neuen Raum abbildbar ist, ohne daß wie bei Camillo eine feste Begriffshierarchie vorgegeben werden müßte. In den Hypertextsystemen und den relationalen Datenbanken werden erste Konturen einer solchen netzförmigen Repräsentation sichtbar...(49)
Und noch ein zweites wichtiges Argument tritt hinzu: Es ist denkbar, daß auch der für die Sprache konstitutive Umschlag von 'Ereignis' in 'System'(50) nun mit technischen Mitteln simuliert werden könnte. Damit würde, was bis dahin ein Mechanismus des Diskurses gewesen war, in den kontrollierbaren Innenraum des einzelnen Textes hineingeholt; und der bis dahin verdeckte Prozeß der Akkumulation würde einer materialen Beobachtung zugänglich...(51)
Ob der Hyperraum diese sehr weitgehenden Versprechen tatsächlich wird einlösen können, allerdings ist keineswegs ausgemacht; bislang fehlen dazu sehr wesentliche Elemente,(52) und das Scheitern der Künstlichen Intelligenz hat die Euphorie selbst in den engeren Fachkreisen deutlich gedämpft.Für die Medientheorie aber ist dies ohnehin nicht entscheidend. Ihr muß es darum gehen, das Projekt zu beschreiben, und zu zeigen, auf welche Weise es an historische Projekte und an das Gesamtprojekt der symbolischen Maschinen sich anschließt. Inhalt dieses Gesamtprojektes ist es, den Umschlag syntagmatischer in paradigmatische Strukturen zu gewährleisten, d. h. den Rapport der Signifikanten mit den Gedächtnissen zu organisieren. Was sich mit jedem neuen Medium (und nun mit dem Computer) verschiebt, ist der Verlauf der Grenze, die die Signifikanten- von den Gedächtnisstrukturen trennt. Und nur scheinbar stellen die Gedächtnisstrukturen den Maßstab dar, dem die Signifikantensysteme sich angleichen; zumindest ebensosehr nämlich sind die Gedächtnisse durch Signifikantenstrukturen geprägt, und dies macht die eigentliche Komplexität der Gesamtanordnung aus.
Damit aber wird völlig ungewiß, was Inhalt und Struktur eines 'natürlichen' Gedächtnisses sein könnte. Nicht die mechanistischen Konzepte der mnemotechnischen Tradition oder die Übergriffe der Künstlichen Intelligenz rauben ihm seine Identität, sondern die Tatsache, daß dieses Gedächtnis von Signifikanten abhängig und mit den Signifikantensystemen zyklisch verbunden ist. Inhalt und Struktur des natürlichen Gedächtnisses erscheinen damit historisch relativ wie die Anordnung der Signifikanten selbst. Und dieser Begriff, so könnte man sagen, wird zum prominentesten Opfer der hier versuchten Rekonstruktion.
 
 


 
 

Anmerkungen:

(1) Oger, Erik: Einleitung zu: Bergson, Henri: Materie und Gedächtnis. Eine Abhandlung über die Beziehung von Körper und Geist. Hamburg 1991, S. XVII. zurück

(2) siehe etwa: Assmann, Aleida: Zur Metaphorik der Erinnerung. In: dies.; Harth, Dietrich (Hg.): Mnemosyne. Formen und Funktionen der kulturellen Erinnerung. Frankfurt/M. 1991, S. 13-35 oder:
Haverkamp, Anselm: Auswendigkeit. Das Gedächtnis der Rhetorik. In: ders.; Lachmann, Renate (Hg.): Gedächtniskunst. Raum - Bild - Schrift. Studien zur Mnemotechnik. Frankfurt/M. 1991, S. 27ff. zurück

(3) Diese Position wird von einer Vielzahl von Autoren, gerade aber auch in den jüngeren kognitionstheoretischen Veröffentlichungen vertreten; siehe etwa:
Schmidt, Siegfried J.: Gedächtnisforschungen: Positionen, Probleme, Perspektiven. In: ders. (Hg.): Gedächtnis. Probleme und Perspektiven der interdisziplinären Gedächtnisforschung. Frankfurt/M. 1991, S. 11, oder im selben Band: Hejl, Peter M., S. 325ff. zurück

(4) Die Vorstellung der Technik als einer Extension des menschlichen Körpers wurde von McLuhan auf die Medientechnik übertragen: "Mit dem Aufkommen der Elektrotechnik schuf der Mensch ein naturgetreues Modell seines eigenen Zentralnervensystems, das er erweiterte und nach außen verlegte..." (McLuhan, Marshall: Die magischen Kanäle. Düsseldorf/Wien 1968, S. 52 (OA, am.: 1964))
und Bolz übernimmt dies noch 1994: (B., Norbert: Einleitung. In: ders.; Kittler, Friedrich; Tholen, Christoph (Hg.): Computer als Medium. München 1994, S. 9). zurück

(5) siehe etwa die klassische Mediendefinition von Maletzke: "Als Medien der Massen- kommunikation bezeichnen wir die technischen Instrumente oder Apparaturen, mit denen Aussagen öffentlich, indirekt und einseitig einem dispersen Publikum vermittelt werden." (M., Gerhard: Psychologie der Massenkommunikation. Theorie und Systematik. Hamburg 1963, S. 76). zurück

(6) Beispiel etwa sei Kittler, der glaubt, die gesamte Mediengeschichte auf die Begriffe Übertragen, Speichern und Prozessieren bringen zu können: "...Es geht mithin um Medientechnologien, um Übertragung, Speicherung, Verarbeitung von Information". (K., Friedrich: Draculas Vermächtnis. Technische Schriften. Leipzig 1993, S. 8). zurück

(7) Materialistisch hier im abgeschliffenen Sinn einer 'Materialität der Kommunikation' (Gumbrecht, Hans Ulrich; Pfeiffer, K. Ludwig (Hg.): Mat. d. Komm. Frankfurt/M. 1988). zurück

(8) Untertitel des bereits erwähnten Sammelbandes von Assmann/Harth. zurück

(9) Bolzoni paraphrasiert Camillos posthum veröffentlichtes Buch: L'Idea del Theatro.
Bolzoni, Lina: The Play of Images. The Art of Memory from its Origins to the Seventeenth Century. In: Corsi, Pietro (Hg.): The Enchanted Loom. Chapters in the History of Neuroscience. NY/Oxford 1991, S. 23. zurück

(10) Bolzoni nennt Tizian und Francesco Salviati (B., Lina: Gedächtniskunst und allegorische Bilder. In: Assmann/Harth, Mnemosyne, a.a.O., S. 162). zurück

(11) Eine ausführliche Rekonstruktion des Theaters findet sich in: Yates, Frances A.: Gedächtnis und Erinnern. Mneomonik von Aristoteles bis Shakespeare. Weinheim 1991, S. 123ff (OA., engl.: 1966). zurück

(12) "1532 schrieb Wigle von Aytta (Viglius Zuichemus), damals in Padua [...]: 'Man sagt, dieser Mann habe ein gewisses Amphitheater errichtet, ein Werk mit der wunderbaren Fähigkeit, daß jeder, der als Zuschauer eingelassen wird, über jedes Thema nicht weniger gewandt disputieren kann als Cicero. Ich hielt dies zunächst für eine Mär, doch dann habe ich mehr über diesen Gegenstand [...] erfah- ren...'" (ebd., S. 123). zurück

(13) Yates, a.a.O., S. 134;
Bolzoni spricht von "a great machine, combining words and things - the ultimate computer - ..." (B., The Play of Images, a.a.O., S. 23). zurück

(14) Yates stellt diesen Zusammenhang ausführlich dar (a.a.O., S. 55-161); phantastische Abbildungen dieser Systeme finden sich in: Corsi, The Enchanted Loom, a.a.O., S. 27-61. zurück

(15) In der Zentrierung dieser Systeme überlagern sich die monotheistische Tradition, eine Erneuerung des Sonnenkults etwa bei Ficino, und - Kopernikus war ein un- mittelbarer Zeitgenosse Camillos - die Vorboten des neuen helio- zentrischen Weltbildes. So stellt Camillo die Sonne ins Zentrum seines Systems und Yates schreibt:
"Camillos Theater stellt [...] das Universum dar, wie es sich von den ersten Ursachen durch die Stufen der Schöpfung ausbreitet." "Gerade weil er an die Göttlichkeit des Menschen glaubt, erhebt der göttliche Camillo den ungeheuren Anspruch, er könne das Universum durch einen Blick von oben, von den ersten Ursachen her, als ob er Gott wäre, in Erinnerung behalten." und: "Ein solches Gedächtnis hätte [...] die Fähigkeit, oder sie würde ihm doch zugeschrieben, seine Inhalte zu einer Einheit zusammenzuführen". (a.a.O., S. 131, 137, 143 (Hervorh. H.W.)). zurück

(16) Wigle van Aytta, zit. nach Yates, a.a.O., S. 124. zurück

(17) Der Aspekt der Interaktion wird verstärkt, wenn man der Argumentation Barbara Kellers folgt, die davor warnt, Camillos Theater allein auf eine architektonisch/- statische Anordnung zu reduzieren. (K., B.: Mnemotechnik als kreatives Verfahren im 16. und 17. Jahrhundert. In: Assmann/Harth, Mnemosyne, a.a.O., S. 204ff). zurück

(18) Für Gedächtnistheorien außerhalb dieses Rahmens gilt dies nicht in selben Maß; Siegrid Weigel etwa hat darauf aufmerksam gemacht, daß die jüdische Tradition einen ganz anderen Typus von Gedächtnistheorien hervorgebracht hat, der übersehen wird, wenn die Aufmerksamkeit sich ausschließlich auf die Mnemotechnik richtet (W., S.: unveröff. Manuskript 1994). zurück

(19) Zur antiken Mnemotechnik siehe: Yates, Gedächtnis und Erinnern, a.a.O., S. 11-53. zurück

(20) Yates führt den Begriff auf das Lehrbuch 'Ad Herennium' zurück, dessen Autor nicht bekannt ist und das 86-82 v. Chr. erschien (Y., Gedächtnis und Erinnern, a.a.O., S. 12). zurück

(21) "'(Ein) locus', sagt Varro in seiner Diskussion des ersten Elements der Rede, 'ist dort, wo etwas verortet werden kann (locatum), wo jegliches zum Stillstand kommt, ist ein Ort (locus).' In einer solchen sprachlichen Epi- stemologie der Wiederkehr begehrt der Leser oder Interpret Zugang zu jenem Bereich, [...] wo die Bedeutung zur Ruhe kommen und unwandelbar sein soll. [..] Das Ziel der Grammatik [...] ist letztlich geographischer Art - eine Topologie oder Rhetorik der richtigen Örter der Rede." (Bloch, Howard in: Haverkamp/Lachmann, Gedächtniskunst, a.a.O., S. 194)
"Eine gute und gründliche Beihilfe des Gedächtnisses [...] ist eine richtige und gelehrte Sammlung von Gemeinplätzen (loci communes). [...] Jedoch ist es wahr, daß unter den Methoden und Einrichtungen der Sammlungen von Gemeinplätzen, die wir noch zu Gesicht bekommen haben, keine gefunden wird, welche einigen Wert habe." (Bacon, Francis: Vom Nutzen des&127; künstlichen Gedächtnisses für die Wissenschaften. (OA.: 1623). zit nach: Harth, Dietrich (Hg.): Die Erfindung des Gedächtnisses. Frankfurt/M. 1991, S. 77).
Die Loci communes sind Teil der Rhetoriktradition, gehören aber nicht zum engeren Bereich der Mnemotechnik; einen unmittelbaren Bezug zwischen den loci und den loci communes gibt es insofern nicht. zurück
(22) Assmann, Aleida; Assmann Jan: Das Gestern im Heute. Medien und soziales Gedächtnis. In: Funkkolleg Medien und Kommunikation. Studienbegleitbrief 5, Weinheim/Basel 1990, S. 73ff. zurück

(23) Es ist erstaunlich, daß Assmann/Assmann gerade die Monumente und ihre gedächtnis- konstituierende Funktion genau untersucht haben (Beispiel sei: Assmann, Jan: Stein und Zeit. Mensch und Gesellschaft im alten Ägypten. München 1991), sobald sie Aussagen zur Mediengeschichte machen, die Perspektive aber auf die Sprache bzw. auf das jeweilige 'Leitmedium' einschränken. Eine Aussage wie "Mit der Schrift entsteht zum ersten Mal die Möglichkeit, das kulturelle Gedächtnis in gegenständliche Träger auszulagern" (A/A., Das Gestern..., S. 76) blendet alle außersprachlichen Kulturtechniken aus dem Bereich des kulturellen Gedächtnisses aus. zurück

(24) Der Begriff des 'gesellschaftlichen Wissens' ist selbstverständlich problematisch... zurück

(25) Beispiel sei das System der australischen 'Songlines', die die unendliche Landschaft des Kontinents in ein enges Netz von Wegen und rituellen Orten umarbeiten, und das Wissen um diese mythische Struktur in einem komplexen System ritueller Gesänge oral tradieren... (Chatwin, Bruce: Traumpfade. FFM 1992 (OA., engl.: 1987)). zurück

(26) Es ist insofern geradezu irreführend, wenn Assmann/Assman behaupten, in den oralen Kulturen seien "die Medien von den Trägern der Erinnerung ebensowenig geschieden wie die Aufführung vom Text" (A/A.: Das Gestern..., a.a.O., S.76); die die Aufführung selbst ist das 'Medium' - zwar flüchtig, sehr wohl aber materiell -, und als 'Träger der Erinnerung' fällt sie mit den empirischen Gedächtnissen in keiner Weise zusammen... zurück

(27) Ein wichtiges Modell zu diesem Aspekt findet sich bei Hejl, Peter: Wie Gesellschaften Erfahrungen machen oder Was Gesellschaftstheorie zum Verständnis des Gedächtnisproblems beitragen kann. In: Schmidt, Gedächtnis, a.a.O., S. 293-336). zurück

(28) Man wird sich allerdings vergegenwärtigen müssen, daß die allgemeine Alphabetisierung historisch erst relativ spät eintritt; bis dahin ist die Schrift in der Hand nur einer relativ kleinen Schicht, und man müßte korrekter von 'oral/schriflichen Kulturen' sprechen... zurück

(29) Assmann/Assmann, Das Gestern..., a.a.O., S. 73
Diese Vorstellung geht auf McLuhan zurück, der glaubte, in der Kategorie der "Elektrischen Medien" die beiden neuen Systeme seiner Zeit, das Fernsehen und den Computer aufsummieren zu können. (McLuhan, Marshall: Die Gutenberggalaxis. Das Ende des Buchzeitalters. Düsseldorf/Wien 1968, S. 14 (OA., am.: 1962)). zurück

(30) Kittler, Friedrich: Grammophon, Film, Typewriter. Berlin 1986;
Kittler spricht von 'Aufschreibesystemen'; der Begriff der techni- schen Bilder ist zentral bei Flusser (F., Vilém: Für eine Philo- sophie der Fotografie. Göttingen 1983, und ders.: Ins Universum der technischen Bilder. Göttingen 1985). zurück
(31) Und Kittler ist vorzuwerfen, daß er dieser Vorstellung weitgehend aufsitzt; so entwickelt er, bis auf wenige Bemerkungen zur 'pattern recognition', keinerlei Vorstellung, wie die symbolische Vermittlung im Fall der 'Realaufzeichnung' zu konzipieren wäre... zurück

(32) "Heute [...] läuft menschliches Schreiben durch Inschriften, die [...] im Unterschied zu allen Schreibwerkzeugen der Geschichte auch imstande sind, selber zu lesen und zu schreiben." (Kittler, Friedrich: Es gibt keine Software. In: ders.: Technische Schriften. Leipzig 1993, S. 226). zurück

(33) Assmann, Aleida: Exkarnation. Gedanken zur Grenze zwischen Körper und Schrift. In: Huber, Jörg; Müller, Alois Martin (Hg.): Raum und Verfahren. Basel/Frankfurt 1993, S. 133-155.
Der Text rekonstruiert die Mediengeschichte als einen Prozeß der Externalisierung von Funktionen, die ursprünglich an die unmittelbare Präsenz und an den Körper gebunden waren. Damit ist ein weiteres Mal unterstellt, das Subjekt könne in den Mittelpunkt gestellt und die Technik entsprechend als abgeleitet betrachtet werden. Diese Sicht der Dinge hat vor allem Derrida einer vernichtenden Kritik unterzogen... zurück

(34) Eine wichtige Ausnahme ist ein Buch von Halbwachs, das bereits 1925 erschien (H., Maurice: Das Gedächtnis und seine sozialen Bedingungen. Frankfurt/M. 1985). Halbwachs widmet ein ganzes Kapitel der Sprache (S. 73- 124), dieser Ansatz aber ist so gut wie nirgends aufgegriffen worden. zurück

(35) 'Texte' als einen allgemeinen Ausdruck für alle Formen sprachlicher Diskursereignisse... zurück

(36) Der gegenwärtige Stand der Neuophysiologie erlaubt es nicht, exakte Aussagen zur Struktur und zum Funktionieren des sprachlichen Gedächtnisses zu machen; wir wissen zwar daß es sich um einen physischen Ort handelt, viel mehr aber wissen wir nicht. (siehe etwa: Schmidt, Gedächtnis, a.a.O., S. 9). zurück

(37) "Die Beziehungen [...] zwischen sprachlichen Gliedern gehen in zwei verschiedenen Sphären vor sich, [...] sie entsprechen zwei Arten unserer geistigen Tätigkeit, die beide für das Leben der Sprache unentbehrlich sind. Einerseits gehen die Worte infolge ihrer Verkettung beim Ablauf irgendwelcher Aussagen Beziehungen unter sich ein, die auf dem linearen Charakter der Sprache beruhen, der es unmöglich macht, zwei Elemente zu gleicher Zeit auszusprechen. Sie reihen sich eins nach dem anderen in der Kette des Sprechens an, und diese Kombinationen, deren Grundlage die Ausdehnung ist, können [...] Syntagmen genannt werden. [...]
Andererseits aber assoziieren sich außerhalb des gesprochenen Satzes die Wörter, die irgend etwas unter sich gemein haben im Gedächtnis [...]. Man sieht, daß diese Zusammenordnungen von ganz anderer Art sind als die ersteren; sie sind nicht von der Zeiterstreckung getragen, ihr Sitz ist im Gehirn; sie sind Teile jenes inneren Schatzes, der bei jedem Individuum die Sprache bildet. Wir wollen sie assoziative Beziehungen nennen.
Die syntagmatische oder Anreihungsbeziehung besteht in praesentia; sie beruht auf zwei oder mehreren in einer bestehenden Reihe neben einander vorhandenen Gliedern. Im Gegensatz dazu verbindet die assoziative Beziehung Glieder in absentia einer möglichen Gedächtnisreihe."
(Saussure, Ferdinand de: Grundlagen der allgemeinen Sprachwissenschaft. Berlin 1967, S. 147f (Hervorh. H.W.) (OA., frz.: 1916)). Als 'paradigmatisch' sind diese Reihen erst später be- zeichnet worden, Saussure selbst nennt sie ausschließlich 'assoziativ'. zurück

(38) "Stets sucht wer eine Erinnerung hervorrufen will, zunächst nach einem Faden, an dem sie durch die Gedankenassociation hängt. [...] Im Grunde beruht unser un- mittelbares, d. h. nicht durch mnemonische Künste vermitteltes, Wortgedächtniß, und mit diesem unsere ganze Sprachfähigkeit, auf der unmittelbaren Gedankenassociation." (Schopenhauer, Arthur: Die Welt als Wille und Vorstellung II. Zürich 1977, S. 155f (OA.: 1844). zurück

(39) "Die Sprache [...] ist ein Schatz, den die Praxis des Sprechens in den Personen, die der gleichen Sprachgemeinschaft angehören, abgelegt hat".
"Die menschliche Rede [...] begreift [...] in sich sowohl ein feststehendes System als eine Entwicklung; sie ist in jedem Augenblick eine gegenwärtige Institution und ein Produkt der Vergangenheit".
"Bei den syntagmatischen Gruppierungen, die auf diese Weise gebildet sind, besteht gegenseitige Abhängigkeit; jeder Teil bedingt die anderen. Denn die Zuordnung im Raum wirkt an der Schaffung assoziativer Zuordnungen mit". (ebd., S. 16, 10, 151 (alle Hervorh. H.W.)). zurück

(40) Äußerst suggestiv in diesem Zusammenhang ist eine Zeichnung Saussures: sie zeigt zwei Sprecher A und B, einander gegenüber positioniert und durch eine Schleife verbunden, die vom Gehirn (Gedächtnis?) und Mund von A zum Ohr und Gehirn von B führt, und dann auf dem entsprechenden Weg zurück... (ebd., S. 14). zurück

(41) Halbwachs, Das Gedächtnis..., a.a.O., S. 73ff
Die Unterscheidung zwischen Ereignis- und Schemagedächtnis übernimmt Halbwachs von Bergson; dieser aber hatte sich fast ausschließlich für das erstere interessiert. zurück

(42) Es gibt verschiedene Versuche, von hier aus eine Verbindung zu Freuds Begriff der Verdichtung herzustellen. zurück

(43) Diskurs und Sprache in diesem Sinne sind das verteilte Gedächtnis der Gesellschaft; es hat insofern eine äußerst materielle Basis, wenn Halbwachs schreibt:
"Es gibt in diesem Sinne keine soziale Idee, die nicht zugleich eine Erinnerung der Gesellschaft wäre. [...] Daraus geht [umgekehrt] hervor, daß das gesellschaftliche Denken wesentlich ein Gedächtnis ist und daß dessen ganzer Inhalt nur aus kollektiven Erinnerungen besteht". (a.a.O., S. 389f)
Und Hejl:
"Zusammenfassend kann man festhalten: Gesellschaften produzieren ein Gedächtnisphänomenen sehr ähnliches Verhalten". (Hejl, a.a.O., S. 232). zurück

(44) Der Begriff des Textes wird inzwischen für alle Medien und nicht mehr nur für sprachliche Ereignisse in Anspruch genommen. zurück

(45)Die Einteilung der Medien nach der Anzahl räumlicher Kontiguitätsachsen geht auf Flusser zurück (siehe etwa: F., Vilém: Ins Universum der technischen Bilder. Göttingen 1985, S. 10). zurück

(46) "Was Selektion und Zugang zum gespeicherten Wissen problematisch macht, ist die traditionelle Art seiner Organisation [...]. Dagegen setzt Bush die Assoziationsmechanik des menschlichen Geistes, die technisch implementiert werden soll: 'selection by association, rather than by indexing' - das bleibt das Prinzip aller Hypermedia-Strukturen [...]. Memex, Bushs memory extender, war als mechanisierte, den Zugang zum Gespeicherten extrem beschleunigende Privatbibliothek geplant - ein Supplement des menschlichen Gedächtnisses. Es funktioniert auf der Basis des simplen Prozesses der Verknüpfung zweier Eintragungen, die dann eine automatische Selektion der einen durch die andere ermöglicht; das nennt Bush 'associative indexing'." (Bolz, Norbert: Zur Theorie der Hypermedien. In: Huber/Müller, Raum und Verfahren, a.a.O., S. 22). zurück

(47) Diese Formel ist nur dann sinnvoll, wenn man drei Dinge einbezieht:
- Der Begriff der 'Externalisierung' darf nicht vom Subjekt (als dem Quellpunkt von Bedeutung) her konstruiert werden; sondern nur in einem Kontext, der die Internalisierung (die Wirkung der Zeichen auf die Subjekte) als gleichrangig betrachtet, und Externalisierung und Internalisierung zyklisch aufeinander bezieht. (Nur unter dieser Bedingung ist der Begriff davor geschützt, den Fehler zu wiederholen, der oben an 'Extension' und 'Exkarnation' diskutiert worden ist).
- 'Sprache' meint hier selbstverständlich nur den einen Teil der Sprache, Sprache als Gedächtnisinhalt.
- zum dritten stellen selbstverständlich auch die herkömmlichen linearen Texte eine Form der 'Externalisierung' dar; so gesehen konkurrieren nun zwei Typen von Texten und zwei Typen von Externalisierung miteinander... zurück

(48) Der Bezug wird bereits bei Yates (1966) explizit: "Das Problem [einer Versöhnung der klassischen Gedächtniskunst mit dem Lullismus im 16. Jh.; H.W.] muß einiges öffentliches Interesse erregt haben, vergleichbar dem öffentlichen Interesse an Denkmaschinen heute. Garzoni schreibt in seiner populären Piazza Universale (1578) [...], es sei sein Ehrgeiz, durch eine Kombination von Rossellius und Lullus ein universales Gedächtnissystem zu schaffen. [...] Um wieviel mehr muß dann ein Eingeweihter wie Giordano Bruno die Verwirklichung der universalen Gedächtnismaschine erhofft haben." (Yates, Gedächtnis und Erinnern, a.a.O., S. 192f (Hervorh. H. W.)). zurück

(49) siehe etwa: Landow, George P.: Hypertext. The Convergence of Contemporary Critical Theory and Technology. Baltimore/London 1992. zurück

(50) ...d. h. der Umschlag von Text (Äußerung) in Sprache, der Prozeß der Akkumulation... zurück

(51) Beispiel seien jene Systeme, die Nutzerbewegungen im Datennetz protokollieren, so daß die Nutzungsfrequenz selbst zu einer 'Information' wird; ähnlich wie in den Innenstädten die Fußgängerströme wichtige von unwichtigen Orten unterscheiden... zurück

(52) ...auf dem Gebiet der Sprache etwa ein Syntaxmodell, das den Umschlag linearer in nichtlineare Strukturen unterstützen könnte, auf dem Gebiet der Bildmedien z.B. brauchbare Algorithmen der Gestalterkennung; und generell ist über das menschliche Gedächtnis viel zu wenig bekannt, als daß zu entscheiden wäre, ob der Hyperraum tatsächlich gedächtnisähnliche Retrievalprozesse erlaubt. zurück